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Weltcup Medellin - die nächste Sensation Man sehe mir bitte meine Euphorie und die reißerische Überschrift nach, aber die Matches sind gerade beendet und ich kann vor geschwollener Daumen kaum die Tastatur bedienen. Nachdem Elena Richter Shanghai gewonnen hatte war das schon mal so und nun das. Lisa Unruh schlug gerade Hyan Jung Joo, die Vorrundenerste, im Halbfinale und Stechen mit der besseren 9 und steht am Sonntag gegen Dasomi Jung (KOR) im Finale. Seit den Berlin Open bis ins Frühjahr gehandicapt und ein Schießen unmöglich und nun sowas. Doch der Reihe nach, denn auch unsere anderen Starter waren sehr erfolgreich.

Im 1/24 Finale gab es für Veronika Haidn Tschalova, Elena Richter und Lisa Unruh keine Probleme. Im 1/16 Finale wurde die Messlatte schon höher gelegt und für Veronika Haidn Tschalova war gegen Hyan Jung Joo (KOR) beim 3:7 Schluss. Lisa konnte sich auch erst im Stechen durchsetzen und Karina und Elena gewannen mit je 6:4 ihre Begegnungen. Drei deutsche Damen im 1/8 Finale eines Weltcups und das bei fast vollständiger Anwesenheit der Weltspitze. Unglaublich. Leider kam es hier zum Aufeinandertreffen von Elena und Karina. Solch ein innerdeutsches Duell hätte man sich vielleicht etwas später gewünscht. Das Match wogte hin und her und die beiden vom BSC BB Berlin schenkten sich nichts. Zur Mitte des Matches stand es 3:3, bevor Elena mit 5:3 in Führung ging. Karina glich mit einem starken Set (29) aus und der Stechpfeil musste entscheiden. Die 10 von Karina stand einer 9 von Elena gegenüber. Auf der anderen Scheibe bekam es Lisa mit Aida Roman, einer der besten Recurveschützinnen der letzten Zeit zu tun, wenn man mal von Korea absieht, deren Leistungsstärke man zwar vermuten konnte aber ebend nur das. Lisa Unruh ließ der sympathischen Mexicanerin beim 6:0 nicht den Hauch einer Chance. Zwei Deutsche im 1/4 Finale. Bravo.

Nun bekam es Karina mit Hyun Jung Joo, der Vorrundenersten und Haidn Tschalova Bezwingerin zu tun. Schnell geriet sie mit 5:1 in Rückstand, bevor sie mit konzentrierter Leistung die Aufholjagd startete. Über 5:3 und den Ausgleich nur um einen Ring verfehlend endete diese beim 6:4 und dem knappen Sieg für die Koreanerin. Und Lisa Unruh? Sie traf auf die kleine Schwester von Deepika Kumari, Reena und hatte mit dieser ihre liebe Müh. Schnell lag auch sie, wie Karina, mit 5:1 im Rückstand. Ihre Aufholjagd war allerdings von Erfolg gekrönt und sie zwang die junge Inderin ins Stechen, dass sie mit 9:8 siegreich gestalten konnte. Nur noch eine Deutsche, aber wir waren ja bereits im Halbfinale. Wie es ausging hab ich ja schon geschrieben, also nur so viel. Diesmal war es Lisa, die mit 5:1 in Führung ging, bevor sich die an diesem Tag zum Deutschlandschreck avancierte Koreanerin auf ihre Stärken besann und zum 5:5 ausglich. Nun schon in ihrem dritten Stechen des Tages behielt Lisa die Nerven und bezwang die Koreanerin mit ihrer 9 und zieht damit verdient ins Finale ein. Supergeil würde Herr Friedrich Lichtenstein wohl singen, kann ich nicht, daher herzlichen Glückwunsch und viel Erfolg für Sonntag.

Aber auch unsere Herren schlugen sich diesmal sehr beachtlich und erbrachten den Beweis, dass sie zu Recht nominiert sind. Im 1/48 Finale konnten Simon Nesemann wie auch Eric Skoeries ihre Partien überzeugend gewinnen. Beiden und Cedric Rieger gelang das auch im 1/24, wohingegen sich Florian Kahllund gegen Jeremiah Cusick (USA) nach sehr engem Match im Stechen geschlagen geben musste. 1/16 Finale. Eric unterlag hier dem Mexicaner Pedro Vivas Alcala so eng wie man es nur machen kann. Bis auf ein Set waren alle anderen unentschieden, aber es hieß dann doch 6:4. Simon Neesemann bekam es mit dem Vorrundenzweiten Jun Hyek Oh zu tun. Nach einem erfolgreichen Beginn der über 2:0 und 3:1 ging besann sich der Koreaner noch und drehte das Match zum 7:3. Cedric Rieger gewann uberzeugend mit 6:2 gegen den Vorrundensiebten Swuro aus Indien. Im 1/8 Finale war dann allerdings gegen den Amerikaner Jake Kaminski auch für Cedric Schluss.

Noch ein Blick auf den Wettbewerb Compound. Velia Schall unterlag im 1/16 Finale Katya Sofia Rudriguez aus Mexico und Markus Laube denkbar knapp Marcelo Roriz jr. aus Brasilien. In Abwesenheit der koreanischen Compoundschützen, die in Shanghai noch dabei und auch erfolgreich waren, gibt es diesmal doch überraschende Finalpaarungen. Damen, Toja Cerne (SLO) gegen Erica Jones (USA) und bei den Herren Peter Elzinga (NL) gegen Daniel Munoz (COL).

Diese Ergebnisse, insbesondere bei den Damen, stimmen mich sehr hoffnungsvoll für die morgen beginnenden Ausscheidungen in den Teams Recurve, zumal beide mit dem Rückenwind der erzielten Deutschen Rekorde in den Wettbewerb gehen können.

Wir sind mittlerweile in den Teamentscheidungen. Erster Gegner Guatemala, der beim 6:0 gegen Karina, Elena und Lisa keine Siegchance hatte. Puh, die erste Runde gegen einen der vermeintlich Kleinen überstanden. Ab jetzt, im Viertelfinale, wird es die nicht mehr geben. Italien, die zuvor doch etwas überraschend Indien ausschalteten, hieß der unsrige. Die Italienerinnen gingen 2:0 in Führung, bauten aber im Laufe der Begegnung immer weiter ab und unser Team gewann sicher mit 6:2. 

Halbfinale und ich hör schon wieder den Song Supergeil. Im Halbfinale alle vier Teams, die auch in der Vorrunde die ersten vier Plätze belegten. Spannung vorprogrammiert. Germany versus Mexico und Südkorea versus China. Überraschend schnell lag China mit 4:0 und auch Mexico mit gleichem Ergebnis in Führung. Nach den Regeln ist jetzt für beide Teams, die zurückliegen, nur noch der Ausgleich mit anschließendem Stechen möglich. Auf geht’s und es gelang wirklich. In beiden Begegnungen kam es zum 4:4 Ausgleich. Spannender kann man es nicht gestalten. Stechen in beiden Begegnungen. Erstes Ergebnis, dass aus Columbien vermeldet wurde, China schlägt sensationell die hochgehandelten Südkoreanerinnen. 

Doch auch bei der Begegnung Germany : Mexico, Warten..., und endlich ist es Gewissheit. Bei Gleichheit von 26 zu 26 im Stechen musste gemessen werden, und der Sieg geht tatsächlich nach Deutschland. Ausgeglichener wie diese Begegnung geht es auch nicht mehr. In der Vorrunde nur einen Ring getrennt, 4:4 nach Punkten, 218 : 218 bei den Ringen und 26:26 im Stechen. Zwei Kontrahenten auf absoluter Augenhöhe und mit auch etwas Glück, dem besseren Ende für unser Team und Finaleinzug gegen China, dass am Sonntag um 11.24 Uhr Ortszeit Medellin (18.24 Uhr MESZ) stattfinden wird. Daumendrück und Herzlichen Glückwunsch.

Neben der Überraschung, dass Korea nur im kleinen Finale steht, schlug Team GB die USA im Stechen und Brasilien gewann gegen Columbien, ebenfalls im Stechen, unterlag danach aber dem Finalisten China - ebenfalls wiederum nur durch ein Stechen. Wie überhaupt Brasilien. Bei diesem Weltcup wurde es augenfällig, Team Brazil ist auf dem Vormarsch. Rio 2016 wirft seine Schatten voraus und wie in solchen Fällen immer und überall, wird alles getan um die einheimischen Sportler voranzubringen, um dann vor eigenem Publikum eine gute Performance abzuliefern.

Gelegenheit, noch die anderen Klassen kurz zu beleuchten. Compound Man Team: Im Finale USA versus Niederlande und Italien versus Mexico um Bronze, kleine Überraschung Frankreich nicht dabei. Recurve Man Team: Im Finale Korea gegen Indien und China gegen USA um Bronze, aber die Niederlande raus. Compound Woman Team. USA versus Columbien um Gold und Mexico versus Italien um Bronze.


Bericht: Carsten Rauchhaus (c)

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