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Das Bogenschützen-Team Bergmann Borsig ist das einzige in der Bundesliga, das nur aus Frauen besteht

 Anja Hitzler, Bundeskader im Bogenschießen  
Die Zehn im Visier. Anja Hitzler trainiert in Berlin und war sogar bei den Olympischen Spielen in Peking dabei.  
Von Anke Myrrhe
11.1.2009 0:00 Uhr
 


Berlin - Lisa Unruh steht kerzengerade da. Langsam nimmt sie einen der Karbonpfeile aus ihrem Köcher, in dem die Pfeile am Gürtel befestigt sind, und spannt ihn vorsichtig in ihren Hightech- Bogen. Es ist der entscheidende Pfeil im letzten Match des Tages. Ganz still steht Lisa Unruh und zielt auf das "Gold", 18 Meter entfernt von der Bogenschützin und nur vier Zentimeter groß. Sie atmet noch einmal tief durch, lässt los - und trifft den inneren Ring der Schussscheibe. Zehn Punkte bekommt die 20-Jährige dafür, die maximale Punktzahl. Das Match ist gewonnen.

Es war nur einer von vielen dieser Zehn-Punkte-Schüsse gestern im Sportforum Hohenschönhausen. In einem ehemaligen Schwimmbecken der alten Schwimmhalle trainiert die Bogenschützen-Nationalmannschaft und die SG Bergmann Borsig, die gestern ihre Bundesligakonkurrenz zum vorletzten Wettkampftag der 1. Bundesliga Nord empfing. Besonders häufig fielen die zehn Punkte für die Schützinnen aus Berlin. Wo immer die Mannschaft auftaucht, sie fällt auf. Denn es ist das einzige Team in der gemischten Bundesliga, das nur aus Frauen besteht. Lisa Unruh, Elena Richter, Karina Winter und Susanne Poßner sind zudem alle erst Anfang Zwanzig und lassen den häufig wesentlich älteren Gegnern selten eine Chance. Sie sind aktuell Vizemeisterinnen und belegen derzeit den zweiten Platz der Bundesliga Nord.

Auch gestern haben die Sportlerinnen von Martin Frederick gut geschossen. Nur eines der sieben Matches ging verloren, sie schlugen sogar den Tabellenführer aus Herne. Als Cheftrainer der Bogen-Nationalmannschaft trainiert Frederick in Berlin auch den Bundeskader. "Ich bin stolz, dass wir so viele Frauen im Team haben", sagt er. "Die Männer können da kaum mithalten." Das liegt vor allem daran, dass in Berlin alle Sportsoldatinnen der Bundeswehr zusammengezogen werden und bei Frederick trainieren. "Je mehr gute Frauen man hat, desto mehr werden auch angelockt, um Bogenschießen als Leistungssport zu betreiben", sagt er. "Das ist uns bei den Jungs noch nicht so gelungen."

Lisa Unruh, Karina Winter und Anja Hitzler wurden 2008 Vize-Europameister mit der Mannschaft, doch nur Hitzler schaffte die Olympia-Qualifikation für Peking. Die Sportsoldatin belegte in China Rang 20 und war damit nicht ganz zufrieden. Sie nimmt derzeit ein halbes Jahr Auszeit von ihrem Sport und startet in diesem Jahr nicht in der Liga. Wenn sie wieder antritt, möchte sie sich intensiv auf die Spiele in London 2012 konzentrieren und sich dann ihrem Studium des Wirtschaftsingenieurswesens widmen.

Denn für Hitzler und die anderen Frauen wird der Alltag vom Bogensport bestimmt. Einige gehen auf das Sportgymnasium und machen nebenher ihr Abitur, die meisten anderen sind bei der Bundeswehr. Dass man beim Schießsport oft an ältere, übergewichtige Männer denkt, ärgert Hitzler. "Wir trainieren sechs Tage die Woche zwischen zwei und fünf Stunden täglich", sagt die Leistungssportlerin. "Hinzu kommen jede Menge Kraft- und Ausdauertraining." Die 18-Meter-Distanz im Winter ist noch mit relativ geringem Kraftaufwand zu schaffen. Im Sommer allerdings stehen die Zielscheiben 70 Meter entfernt und ein Wettkampftag kann schon mal acht Stunden dauern. Ständig pendeln die Athleten zwischen den Scheiben und dem Abschusspunkt hin und her, um die Pfeile zu holen. "Das Bogenschießen ist nicht nur technisch sehr anspruchsvoll, sondern bedarf auch eines enormen Kraftaufwands", sagt Frederick. "Und die Sportler müssen mental sehr stark sein." Auch Fredericks Ziel sind vor allem die Olympischen Spiele 2012. In drei Jahren könnte das Team soweit gereift sein, bei Olympia eine Medaille zu holen, daran glaubt auch Anja Hitzler. Bis dahin müssen aber noch einige Zehn- Punkte-Schüsse fallen.

Quelle: Der Tagesspiegel - Online, erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 11.01.2009



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