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Jörg Leopold | 26.02.2007

triobb2.jpgDen Unterschied im Leben eines Bogensportlers machen manchmal nur Millimeter aus. Als Lisa Unruh von der SG Bergmann-Borsig am Samstag im Stechen des Bundesliga-Finales gegen den SV Querum mit ihrem letzten Pfeil eine "10" schoss, hatte sie damit den dritten Meistertitel in der Vereinsgeschichte der Berliner perfekt gemacht. 30:29 endete das entscheidende von insgesamt drei notwendigen "Shoot-offs" zugunsten des reinen Damenteams aus Pankow (Foto links). Nur einer von sechs Schützen beider Finalteilnehmer hatte die Mitte des goldenen Bereichs der Scheibe verfehlt - um Millimeter. Mit Lisa Unruh jubelten nach der letzten Wertung ihre Teamkolleginnen Elena Richter und Karina Winter, Stützpunktrainerin Irene Abel (siehe Foto unten rechts) und die in der Endrunde nicht eingesetzen Susanne Poßner, Wiebke Nulle und Frank von Dincklage. "Die drei Damen sind zurzeit einfach super in Form", zeigte sich Bundestrainer Martin Frederick kaum überrascht vom Ergebnis. "Erst in der Vorwoche konnten sie sich geschlossen für die Hallen-WM im März in Izmir qualifizieren."

jubelbb.jpgverwundert der Triumph der zwischen 17 und 20 Jahre alten jungen Frauen in der Bundesliga, schießen bei den gegnerischen Teams doch vor allem Männer. Gibt es also im Bogensport keine natürlichen Leistungsunterschiede zwischen den Geschlechtern? Die gäbe es schon, weiß Frederick, allerdings vor allem während der Freiluftsaison, wo auf deutlich längere Scheibenentfernungen geschossen werde. Männer könnten hier ihre körperlichen Vorteile eher zur Geltung bringen als in der Hallensaison, wo die Distanz zum Ziel "nur" 18 Meter beträgt. Dabei ist Kraft bei jedem Schuss ein Thema, egal ob Hallen- oder Freiluftwettkampf. "Zwar sieht Bogenschießen sehr leicht aus, aber die Aktiven haben schon 16, 17 Kilo pro Pfeil im Finger", erklärt der Bundestrainer die Schwierigkeiten seines Sports. Ohne Konzentration und einen hundertprozentig perfekten Bewegungsablauf würden den Schützen schnell die entscheidenden Millimeter fehlen. Für die Meisterdamen der SG Bergmann-Borsig bleibt nach dem Titelgewinn vom Wochenende nur wenig Zeit zum Feiern, denn vor der angesprochenen Indoor-WM in Izmir warten vom 9. bis 11. März noch die Deutschen Hallenmeisterschaften im Einzel auf das Erfolgs-Trio. Vom 7. bis 15. Juli steht mit der Freiluft-Heim-Weltmeisterschaft in Leipzig schließlich der Saisonhöhepunkt auf dem Programm. Hier treten die Damen dann jedoch in den jeweiligen Klassen nur gegen ihresgleichen an. Männer wie Vize-Europameister Michael Frankenberg vom unterlegenen Finalisten SV Querum (siehe Foto unten) werden darüber vermutlich nicht allzu traurig sein.

duellsvqbb.jpgWer selbst einmal sein Glück mit Pfeil und Bogen versuchen will, ist bei der SG Bergmann-Borsig jederzeit willkommen. Im Winter steht allen Interessierten die Reinhold-Burger-Oberschule zur Verfügung, während im Sommer der Walter-Husemann-Sportplatz genutzt werden kann. Neben den Pankowern gibt es im übrigen demnächst noch einen weiteren erstklassigen Bogensportverein in Berlin. Die SV Bau-Union aus Lichtenberg schaffte erst vor wenigen Wochen den Aufstieg in die 1. Bundesliga, setzte dabei aber im Gegensatz zu den Bergmännern auf die männliche Jugend. Das Derby in der kommenden Hallensaison verspricht nicht zuletzt auch deswegen schon jetzt jede Menge Spannung...




Quelle: Der Tagesspiegel - Online Weblog, 26.Februar 2007

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