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Berlin-Open

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Freitag, 24. Dezember 2010
von Alexandra Gross

Die Hallenweltmeisterin Karina Winter bei der Berlin-Open 2010 im Sportforum-Berlin


Hallenweltmeisterin Karina Winter
bei den Berlin-Open 2010

Mit Bedacht nimmt Karina Winter einen Pfeil aus ihrem Köcher, legt ihn in den Bogen ein, spannt die Sehne und visiert das Ziel an. 18 Meter ist die Scheibe aus Stroh entfernt. Dann zischt es kurz, und wieder landet der Pfeil in der gelb markierten Mitte.

Ein Lächeln huscht über das Gesicht der 24-Jährigen, ehe sie nach dem nächsten Pfeil greift. Bis zu 180 Mal wiederholt sich das, wenn ein normales Training ansteht, bis zu 400 Mal, wenn ein großer Wettkampf naht. Manchmal trainiert sie fünf Stunden am Stück. Das hört sich nicht nur eintönig an, das ist es auch. Und bei jedem Pfeil muss sich Karina Winter aufs Neue konzentrieren. Aber genau das kann sie besonders gut, die Berlinerin ist eine Könnerin ihres Fachs - und Hallen-Weltmeisterin mit dem Recurve-Bogen.

"Ich bekomme jetzt noch Gänsehaut, wenn ich an die Siegerehrung denke", erinnert sie sich an den 8. März 2009. An diesem Tag, dem Weltfrauentag übrigens, gelang ihr der ganz große Coup. "Den Tag werde ich nie vergessen, weil es auch eine absolute Überraschung war." Im Finale besiegte sie die haushohe Favoritin Berengère Schuh aus Frankreich. "Da hat sich das viele Training gelohnt", sagt Winter und lacht kurz. Und da der internationale Modus gerade umgestellt wird, ist sie statt der üblichen zwei nun sogar drei Jahre lang Weltmeisterin. Wie praktisch.

Viele denken an Robin Hood

Das Lachen von Karina Winter steckt an, die zierliche Sportsoldatin strahlt große Fröhlichkeit aus. Aber natürlich gucken die Kinder und Jugendlichen auch zu ihr so neugierig und interessiert herüber, weil sie in der Bogenhalle im Sportforum Hohenschönhausen in Berlin ein Star ist. Die Trainingsstätte der Weltmeisterin ist zugleich auch Bundesstützpunkt. Und ein Schwimmbecken. Natürlich eins, das längst trockengelegt ist. Wer zum Training kommt, muss dementsprechend auch erst einmal die Leiter hinabsteigen, um auf die Zielscheiben zu schießen. Der Kachelboden ist mit Kunstrasen ausgelegt, am Beckenrand stehen aufgereiht große und kleine Pokale. Vier Heizstrahler, die wie überdimensionale Löffelbiskuits aussehen - allerdings in blau statt in keksbraun -, spenden die nötige Wärme.

In letzter Zeit konnte Karina Winter jedoch nicht so oft in der Bogenhalle trainieren, wie sie es sich gewünscht hätte. Aber ihr Arbeitgeber, die Bundeswehr, sah für die Sportsoldatin bis Mitte Dezember einen militärischen Lehrgang vor. Jetzt ist die 24-Jährige Feldwebel. Und nun beginnt auch wieder das intensive Training. Alles ist ausgerichtet auf die Freiluft-WM im Juni in Turin, denn dort werden die Startplätze für die Olympischen Spiele 2012 in London ausgeschossen. "Da geht es für mich um die Wurst, deshalb verzichte ich auch auf die Hallen-EM", sagt die Berlinerin.

Die Hallenweltmeisterin Karina Winter bei der Berlin-Open 2010 im Sportforum-Berlin


Hallenweltmeisterin Karina Winter
bei den Berlin-Open 2010

Beim Bogenschießen mag so mancher sich an seine Kindheit erinnern. Der Bogen war natürlich selbst gebaut, die Pfeile eigenhändig mit dem Taschenmesser geschnitzt. "Wenn ich Leuten erzähle, dass ich Bogenschützin bin, merke ich, dass ich eine außergewöhnliche Sportart betreibe", sagt Winter und schmunzelt: "Die meisten denken dann gleich an Robin Hood, oder halt an Rambo." Da leistet die forsche Berlinerin dann umgehend Aufklärungsarbeit. "Bei uns ist alles Hightech, der Sport hat auch nichts mit Jagdinstinkt zu tun", sagt sie.

Und dann fällt ihr ein, dass sie auch schon einmal gefragt worden sei, ob sie wie einst Wilhelm Tell jemandem einen Apfel vom Kopf schießen kann. Lustig findet sie das. "Aber wir zielen grundsätzlich nicht auf Lebewesen, das ist in Deutschland auch verboten." Der Bogen sei auch keine Waffe, sondern ein Sportgerät und falle damit auch nicht unter das Waffengesetz. "An manchen Flughäfen bekommen wir trotzdem Probleme, werden öfter irrtümlicherweise nach einem Waffenschein gefragt." Auf Reisen ist der Bogen in seine Einzelteile zerlegt und damit gar nicht schussbereit.

Jagen ist Männersache, das lehrt uns die Geschichte. Beim Bogenschießen mischen Frauen aber fast auf Augenhöhe mit, denn es geht weniger um Kraft, sondern kommt vielmehr auf Konzentration, Präzision und das perfekte Gefühl für Feinmotorik an. "Gerade in der Halle sind wir Frauen durchaus fähig, mit den Männern mitzuhalten, weil die Entfernung auf die Scheiben nicht so groß ist", sagt Karina Winter, die der Bundesliga-Mannschaft der SG Bergmann-Borsig angehört. Übrigens ein reines Frauen-Team, das ist einmalig in der Eliteklasse. Zwar macht die Sportsoldatin regelmäßig Krafttraining für den Schulterbereich, um die Anfälligkeit für Verletzungen zu vermindern, intensives Gewichtestemmen ist aber nicht angesagt. "Ich werde nie so aussehen wie Arnold Schwarzenegger, denn zu viel Kraft und Muckies sind hinderlich beim Bogenschießen. Ein zu stark ausgebildeter Bizeps wäre im Weg, weil die Sehne des Bogens ja ganz eng am Arm arbeitet."

Eine Welt brach zusammen

Dass Karina Winter heute die weltbeste Bogenschützin mit dem olympischen Recurve-Bogen ist, verdankt sie irgendwie auch der Diagnose eines Arztes. Eigentlich war die Berlinerin leidenschaftliche Turnerin. Als sie elf Jahre alt war, verletzte sie sich am Rücken. "Der Arzt sagte mir, dass ich im Rollstuhl landen würde, wenn ich weiterturnen würde." Es war eine schwere Entscheidung, aber die Gesundheit ging natürlich vor. Und so beendete Winter damals ihre Turnkarriere, ehe sie überhaupt richtig begonnen hatte. "Für mich ist eine Welt zusammengebrochen. Ich habe das Turnen so sehr geliebt, das war mein Leben." Der Zufall wollte es, dass just zu dieser Zeit der Bundestrainer im Bogenschießen, Martin Frederick, an der sportbetonten Werner-Seelenbinder-Schule auf der Suche nach interessiertem Nachwuchs war. "Ich ging damals zum Schnuppertraining und bin seitdem Bogenschützin", sagt Winter.

Allerdings war der Beginn ein wenig mühsam, weil sie nicht gleich ans Gerät durfte, sondern erst einmal drei Monate lang die Grundlagen erlernen musste. Dafür kamen mit den ersten Wettkämpfen gleich die Erfolge wie zum Beispiel Platz zwei bei den deutschen Jugend-Meisterschaften. "So hatte das brutale Ende beim Turnen doch noch sein Gutes", sagt Karina Winter und ist dankbar: "Das war Glück im Unglück." Und heute ist sie Weltmeisterin.

 

Quelle: Berliner-Morgenpost, erschienen in der gedruckten Ausgabe und Berliner-Morgenpost online am 24.12.2010
Foto: Wolfgang Schwarz (c)


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