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FITA-Recurve FITA-Compound Traditionell
Sehnen werden beim Rechtshänder rechts herum eingedreht, beim Linkshänder entsprechend links herum. Und das aus gutem Grund...

Aber beginnen wir am Besten von vorne:

Mittenwicklung Nämlich dem Sehnedrehen. Da sollte bereits die Sehne so hergestellt werden, dass der später mit der fertigen Sehne gespannten Bogen seine laut Herstellerangaben minimale Standhöhe besitzt, am besten die Sehne wird gleich von Anfang an im nicht eingedrehtem Zustand einen halben Zentimeter länger hergestellt.

Im Laufe der Sehnenherstellung wird bei den Endenwicklungen darauf geachtet, dass beide Wicklungen später bei senkrecht stehendem Bogen auch rechtsherum, also im Uhrzeigersinn nach oben verlaufen.

Wie im Tipp Sehnedrehen nachgelesen werden kann, sollte eine fertige Sehne erstmal grundlegend 10 bis 20-mal eingedreht werden, beim Rechtshänder also wiederum rechtsherum.

Erst danach wird dann die Mittenwicklung aufgebracht, und auch bei der wird auf die richtige Drehrichtung geachtet (siehe Bild rechts).

Nun haben die beiden Endenwicklungen und die Mittenwicklung auch dieselbe Eindrehrichtung wie die Sehne. Egal, ob wir später die Sehne ein- oder ausdrehen, sämtliche Schutzwicklungen werden dann gleichmäßig festgezogen oder gleichmäßig gelockert.

Die Richtung des Eindrehens hat auch einen Sinn:

Durch den Ablass der Sehne über die Fingerspitzen kommt es zu einer Reibung zwischen Mittenwicklung und Fingerschutz. Bedingt durch den Reibwert von Wickelgarn und Tableder gleitet die Sehne nicht nur, sie rollt auch zum Teil auf den Fingerspitzen ab, d.h. sofern der Schütze auch einen weichen sauberen Ablass hat.

Und genau durch diese Reibung wird die Mittenwicklung nun auch bei richtiger Drehrichtung allein durch den Ablass eher noch fester am Nockpunkt nach oben festgezogen, was wiederum die Haltbarkeit eines dauerhaft festen Nockpunkts fördert. Im unteren Bereich der Mittelwicklung ist dagegen im Laufe der Saison mit einer leichten Lockerung des Wickelgarnes zu rechnen. Oft ist dies dadurch erkennbar, dass die einzelnen Wicklungen sich in diesem Bereich irgendwann regelrecht auseinander schieben.

Wird jedoch besonders glattes und reißfestes Wickelgarn benutzt, so kann dieser Effekt deutlich hinausgezögert werden, die Sehne und deren Wicklung halten dann länger.

Der Reibwert und sonstige Einflüsse...

Natürlich begünstigt ein glatter Tab und eine gleichmäßig feste und glatte Mittenwicklung auch einen geringeren Reibwert. Somit wirkt sich dies auch auf einen schnelleren und gleichmäßigeren Ablass und letztendlich dann auch auf ein engeres Trefferbild aus.

Recht auffällig ist dieser Effekt, wenn man im Laufe der Saison mal seinen alten Tab gegen einen neuen oder gegen anders Tableder-Material ersetzt. In der Regel liegen die Trefferbilder auf langen Entfernungen dann deutlich höher. Auf 70m kann dies ein Höhenunterschied bis zu einem halben Meter ausmachen. Besonders ärgerlich ist solch eine Höhenverlagerung beim Tab-Wechsel während eines Wettkampfes. Auch ergeben sich Trefferbildverlagerungen durch z.B. einen nassen durchgeweichten Tab oder durch Sehnen, die Feuchtigkeit z.B. während Regen aufgenommen haben. Solche Einflüsse sollten unbedingt bereits während des Trainings ausprobiert werden. Auch sollten Ersatz-Tab und Ersatzsehne noch vor dem Turnier probegeschossen werden, um genau gegen diese Einflüsse gewappnet zu sein.

Und nun wird getunt:

Genau! Deshalb wieder zurück zum Thema Eindrehen: Die endgültig spätere Anzahl des Eindrehens der neuen Sehne gehört zum Bogentuning. Denn durch das Eindrehen der Sehne bekommt der Bogen eine größere Standhöhe, somit also eine etwas höhere Vorspannung. Diese wiederum bewirkt, dass der Schütze im Endauszug eine leicht erhöhte Zugkraft auf den Fingern hat, der Pfeil verhält sich somit mit seinem dynamischen Spine im Abschuss etwas weicher.

Aber halt! Denn zu dem Thema gibt es völlig unterschiedliche Herangehensweisen.

So wäre genauso gut auch denkbar, dass durch den höheren Sehnenabstand die Sehne insgesamt weniger Weg im Abschuss hat, ihr also ein bisschen Geschwindigkeit fehlt. Dafür verhält sie sich aber bei größerer Standhöhe auch genauer, d.h. sie ist bezogen auf den Sehnenschwungs durch den Ablass nicht so anfällig für Abschussfehler.

Genauso ist es umgedreht bei verringertem Sehnenabstand: Die Sehne kann dann mehr Weg zurücklegen, wird also etwas schneller. Jedoch verhält sie sich im Abschuss auch Abschuss-fehleranfälliger, neigt also zu Streuung.

Bei Recurvebögen wird daher in der Literatur von zwei möglichen völlig unterschiedlichen Standhöhen gesprochen. Bei beiden erzielt der Bogen in seinem Gesamtsetup seine optimale Energieausbeute, also seinen höchsten Wirkungsgrad. Dort wären rein theoretisch auch die besten Trefferbilder zu erwarten.

Welche Standhöhe nun speziell entsprechend dem eigenen Bogensetup und dem persönlichen Schießstil die Richtige ist, muss jeder selber ausschießen. Einiges Hilfreiches dazu wird im Kapitel dynamischer und statischer Spine beschrieben.

Jedoch eins bleibt festzuhalten: Jeder Bogen hat eine gewisse Bandbreite an möglichen Sehnenabständen (siehe beide Tabellen unten), die ist auch vom Hersteller empfohlen. Wird vom Schützen ein davon abweichender Wert eingestellt, so könnte sich das auch durchaus schädigend auf das Material auswirken.

Der Moment des Lösens einer Nocke

Es gibt zu dem Thema auch noch andere recht interessante Sachverhalte: Betrachten wir mal lediglich die Nocke. Durch die Geschwindigktei der Wurfarme wird mittels dem Übertragungsmedium 'Sehne' eine Kraft auf den Pfeil übertragen. Verbindungspunkt zwischen Sehne und Pfeil ist dabei die Nocke. Das dieses Übertragungsmedium 'Sehne' eben nicht immer im Idealfall möglichst leicht und dadurch schnell sein sollte, dass dies durchaus auch Nachteile mit sich bringen kann, hatten wir uns ja bereits im Artikel Sehnenstärke angesehen.

Das eigentlich Lösen der Nocke von der Sehne wird recht anschaulich im Artikel Archery, Arrows & Arrow Flight von Mark Leach und in deren deutscher Übersetzung Pfeile und Pfeilflug - beim Bogenschiessen von Wolfgang Höber, Bogensportabteilung des VSG Stapelfeld dargestellt und erklärt.

Dort wird auf die statische Standhöhe und die letztendlich für das saubere Lösen des Pfeils von der Sehne maßgebliche dynamische Standhöhe eingegangen. Denn der Zeitpunkt des Lösens der Nocke von der Sehne ist maßgeblich für einen optimalen störungsfreien Abschuss. Entweder liegt er von seiner Position her vor, mitten oder nach der statisch am Bogen eingestellten Standhöhe. Im Idealfall verlässt der Pfeil, also seine Nocke die Sehne möglichst ohne großes Überschwingen der Sehne.

Überschwingen der Sehne (wie es bei zu gering eingestellter Standhöhe der Fall ist) und dadurch die Möglichkeit, auf ihren längeren Weg auch Abschussfehler deutlich auf den Pfeil besser übertragen zu können, sollten vermieden werden.

Und sonst noch?

Zusätzlich zu dem weiten Überschwingen der Sehne bei zu geringem Sehnenabstand werden bei Recurvebögen die Sehnenbetten der Wurfarme großflächig belastet, meist an einem sehr lauten Klang des Bogens erkennbar und auch an offensichtlich zu erkennbaren weit überbogenen Wurfarm-Recurves. Die Sandhöhe ist dann so kurz, dass die Sehne im Moment des Abschusses weit durchschwingen kann. Unter Umständen merkt der Schütze dies dann zusätzlich noch durch einen heftigen Schlag der Sehne gegen das Handgelenk. Auf ihren längeren Weg gibt die Sehne dieses Durchschwingen jedoch - wie oben beschrieben - im letzten Moment auch dem Pfeil mit, überträgt es regelrecht auf ihn, ebenso das zum Schluss verstärkt seitliche Ausschlagen. Daher auch bei zu kurzem Sehnenabstand die Neigung zum Streuen.

Aber eine minimale Auflagefläche des Sehnenbettes brauchen die Sehnenenden bei Recurvbögen, damit die Wurfarme schneller zu Ruhe kommen. Denn Recurvewurfamre sind in sich sowohl Reflex als auch deflex gebogen. Sind also ausgesprochen flexibel, biegsam und in sich labil, besitzen eine nicht so steife Beschaffenheit wie Langbögen. Dieses labile Materialverhalten der Wurfarme braucht also eine definierte Anschlag- bzw. Auflagefläche, eben eine Mindestlänge der Sehnenbetten in Form ausgeformter Kerben.

Auch braucht es für einen effektiven Schuss eine Mindestbeschleunigung des Pfeils. Dies ausgedrückt sowohl durch eine Mindestraft, die hinten auf den Pfeil drückt und ihn überhaupt erst sauber auf lange Entfernungen fliegen läßt, als auch einen Mindest-Sehnenweg, durch die der Pfeil letztendlich erst seine optimale Beschleunigung erfährt. Daher wird unter anderem auch die maximale Standhöhe vom Hersteller vorgegeben.

Standhöhe Hoyt Recurve Bogen

Quelle: Hoyt Recurve Bow Owner's Manual


standhoehe W&W-Bögen



Quelle: Homepage

So, und nun zum Ausschießen der Standhöhe

Da gibt es zwei Herangehensweisen: Entweder man fängt mit der niedrigsten Standhöhe an, oder mit der maximalen.

Wir gehen mal von der niedrigsten Standhöhe laut Hersteller aus. Die Sehne wurde ja vorher so hergestellt, dass die von vornherein etwas länger ist. Sie sollte bei erstmaligen Schießen maximal 20 Mal eingedreht sein. Und hier sollte auch bereits die minimale Standhöhe erreicht sein.

Mit diesem Setup wird nun auf kurze Entfernung, am Besten ohne Auflage, also lediglich auf einen freien Dämpfer geschossen. Ohne Auflage deshalb, weil man sich ohne das Zielbild nun besser auf die Schießtechnik konzentrieren kann, auch hat man ein besseres Gespür für das Bogenverhalten und das Bogengeräusch. Denn das ist nun wichtig!

Der Klang ist ein wesentliches Indiz für die richtige Standhöhe, je besser der Bogen an seinem Wirkungsgrad arbeitet, desto vibrationsarmer verhält er sich auch. Feine Schwingungen übertragen sich im allgemeinen deutlich auf das Griffstück, das als Resonanzkörper aus Metall dies auch von sich gibt. Schwingungen übertragen sich aber auch auf sämtliche Anbauteile, die dies durch Resonanz oft regelrecht noch verstärken. Im Prinzip scheppert der Bogen dann laut hörbar.

Ist dann zusätzlich noch der Tiller nicht richtig eingestellt, so verstärkt sich die Sache noch. Ein nicht richtig eingestellter Tiller heißt, dass Die Wurfarme zu unterschliedlichen Zeitpunkten anschlagen, also zusätzliche ungünstige Vibrationen in das System "Bogen" eingeleitet werden, dies auch letztendlich auf den Pfeil übertragen wird.

Zurück zur Standhöhe: Diese wird nun nach und nach erhöht, bis der Bogen sich auch ruhiger im Abschuss verhält. Dieses 'ruhige' vibrationsarme Verhalten spürt man in der Regel auch oft. Denn sein Abschussverhalten überträgt sich ja auf die Bogenhand, kann also auch in gewissen Rahmen erfühlt werden. Irgendwann wirft der Bogen dann leise und vibrationsarm. Das ist dann das Zeichen, dass vorerst die richtige Standhöhe erreicht wurde...


Und noch was:

Sehnenherstellen

...um zumindest im wichtigsten Bereich - der Mittenwicklung - Materialgenauigkeit zu erzielen.

Wird nun nach dem Sehnenherstellen und der fertigen Mittenwicklung die Sehne nochmals deutlich eingedreht, so wäre ein zusätzlicher Effekt zu beachten: Innerhalb der Mittenwicklung hat die Sehne dann einen völlig anderen Drall als auf ihrer freien Länge (siehe dazu oberes Bild). Und die Mittenwicklung macht immerhin ca. 10% der Gesamtlänge aus. Der Drall unter der Wicklung wurde jedoch vorher durch die Wicklung selbst gewissermaßen 'eingefroren'. Durch die hohe Vorspannung der Mittenwicklung verändert nachträgliches Eindrehen der Sehne ihn nur noch geringfügig. Eben, da der Bereich unter einer sehr fest angelegten Schutzwicklung sich selbst nur noch schwer weiterverdrillen läßt.

Ähnliches gilt auch für die beiden Endenwicklungen, die zusammen ca. 20% der Gesamtlänge einer Sehne ausmachen.

Dadurch ließe sich auch das leichte Strecken bzw. Setzen einer absolut neuen sonst fast nicht dehnbaren FastFlight Sehne erklären. Denn auch diese 'dehnt' sich geringfügig im Millimeterbereich, nachdem sie hergestellt wurde. Aber es ist eben kein Dehnen des Garns, eher ist es ein Ausgleichen des Dralls und zusätzlich ein 'Setzten' aller einzelnen Stränge auf ähnliches Spannniveau. Je gewissenhafter die Sehne beim Bau angefertigt wurde, also je gleichmäßiger die einzelnen Stränge gewickelt wurden, desto günstiger wäre das für unsere gleichmäßig belasteten Stränge.

Nach ca. 100 Schuss sollte sich jedoch ein gleichbleibendes Maß des 'Streckens' ergeben haben.

Deshalb schießt so mancher Schütze seine neue Sehne auch entweder ganz ohne Mittenwicklung oder mit einer Behelfswicklung aus, und bringt die endgültigen Mittenwicklung erst nach dem Ausschießen auf...

(C) www.Bogenwiese.de
Tipps & Tricks für Bogenschützen
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Holger Hüning (c)
Wolfgang Schwarz (c)
Holger Hüning (c)
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