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Pfeil-BefiederungFITA-Recurve FITA-Compound Traditionell
Spitzen Ausgießen gehört zu den Pfeiltuning-Maßnahmen, durch deren Anwendung man den Dynamischen Spine eines Pfeiles weicher machen kann. Dieses möchte ich euch heute in Form einer Anleitung vorstellen.

Gerade in der Hallensaison bevorzugt ein großer Teil der FITA-Schützen Alupfeile mit möglichst großem Durchmesser und langer Natur-Befiederung. Diese Naturfedern bieten den Vorteil, dass sich Pfeile deutlich gutmütiger in Bezug auf Abschussfehler verhalten, da sich die Pfeile damit schneller ausrichten und somit bereits auf kürzester Enfernung stabilisieren. Werden tatsächlich Alu-Pfeile ausgewählt, so tendieren die Schützen für das Schießen auf 18m oft dahin, zum nächst größeren Pfeildurchmesser zu greifen. Eventuell könne man ja durch den zusätzlichen Durchmessergewinn bei Wettkämpfen den einen oder anderen Ring doch noch anreißen. Hinzu kommt, dass in der Hallensaison auch gern eine dickere trägere Sehne bevorzugt wird, da diese im Abschussverhalten in Bezug auf Abschussfehler gutmütiger reagiert. Man könnte also dann für das Hallenschießen z.B. von einer ursprünglich 16-Strang- nun auf eine 18-Strang FastFlight-Plus Sehne wechseln.

All diese Maßnahmen führen zwar zu einem technischen Vorteil, der dynamische Spine eines Pfeiles wird jedoch härter. Der Pfeil reagiert also deutlich steifer, als es die Pfeiltabelle oder der EASTON-Schaftselector vorgibt. Der erhoffte Technische Vorteil hebt sich somit zuungunsten einer schlechteren Dynamik auf. Denn diese wirkt sich in Folge unruhigen Pfeilflugs, Schlingern oder einer unüblich stark seitlichen Visiereinstellungen aus. Abschussfehler könnten sich verstärkt bishin zu ungünstigeren Trefferbildern bemerkbar machen.

Eine der einfachsten und zugleich preiswertesten Maßnahmen wäre es dann, die Dynamik des Pfeiles wieder optimal anzupassen, den Pfeil also zu Tunen. Einer dieser Maßnahmen ist, das Gewicht der Spitzen einfach zu erhöhen. Der dynamische Spine des Pfeils wird dann wieder weicher. Auf diese Art erreicht man rückwirkend einen ruhigen sauberen Pfeilflug, der wiederum eine der Voraussetzungen für gute Trefferbilder ist. Abschussfehler würden sich dann etwas weniger bemerkbar machen, als es bei nicht passenden schlecht fliegenden Pfeilen der Fall wäre.

In der unten dargestellen Anleitung gehe ich von EASTON Nibb-Spitzen aus, deren Schaft hohl ist. Beim Kauf von Alupfeilen für den FITA-Bereich werden diese immer noch von einer Mehrzahl der Bogenschützen mitgeordert, sind daher weit verbreitet. Diese eigenen sich auch besonders gut für das Spitzen Ausgießen.

Pfeil-Spitzen
Einige Bemerkungen noch:

Diese Tuningmaßnahme kann man auch gut beim Training nebenbei machen, da erst der Rohschafttest Aufschluss über das richtige Spitzengewicht, letztendlich also den passenden dynamischen Spinewert gibt. Der Aufwand dieser Bastelarbeit hält sich je nach eigenem Geschick mit 2 bis 5 Minuten pro Pfeil in Grenzen, ist in der Regel also schnell erledigt. Daher, lasst Euch von der Ausführlichkeit der Anleitung nicht abschrecken, die Sache ist tatsächlich einfacher als es aussieht.

Beim Ausgießen sollte man mit nicht unter 20 Grain anfangen, da man sonst kaum Veränderungen am Rohschafttest feststellen würde. Bei weniger als 20 Grain Spitzen-Gewichtserhöhung könnte man zwar nicht den dynamischen Spine, dafür aber das Flugverhalten des Pfeils alternativ auch gut durch Änderung der Buttonstellung und deren Federhärte einstellen. Und dann sollte ich vielleicht noch die deutliche Schwerpunktsverlagerung am Pfeil erwähnen, die durch solch eine Tuningmaßnahme einhergeht. Allerdings für das 18-Meterschießen in der Halle im Erwachsenenbereich bei mittleren bis hohen Zuggewichten sollte dies absolut vernachlässigbar sein, und wäre lediglich für das Schießen auf langen Entfernungen zu beachten. Denn Pfeile mit höherem Spitzengewicht verschiebt sich der Schwerpunkt deutlich nach vorn. Auch wird der Pfeil insgesamt entsprechend schwerer.

Werkzeug zum Spitzenausgießen Wiegen mit der Präzisionswaage
Lötzinn abknipsen
1.) Auf obigem Bild ist mal das meiste dargestellt, was man dazu braucht. Auf der kleinen Rolle befindet sich übrigens das Lötzinn, hinten der Glasbehälter ist ein altes Tintenfass, dazu aber später mehr. Ansonsten wird noch eine Zange, Feuerzeug, optimaler Weise ein Handbrenner (10,-€ im Baumakrt) und eine Präzisionswaage (12 bis 20 €, z.B. bei ebay erhältlich) benötigt. 2.) Interesse halber sollte man vorher noch die EASTON Nibb-Spitze in deren Lieferzustand auswiegen. Das auf dem Bild dargestellte Gewicht der Spitze ist übrigens schwerer, als die momentan im Handel erhältlichen 7%-Nibb Spitzen. Denn ich benutze 9%-Spitzen. Die sind etwas schwerer als 7%-Spitzen, werden jedoch von EASTON nicht mehr hergestellt. 3.) Und los geht's: Erst mal etwas Lötzinn abschneiden
Lötzinn als Spulen aufwickeln Wiegen des Lötzinns mit der Präzisionswaage Lötzinn-Spulen in den Spitzenschaft geben
4.)...und dieses in kleine handliche Spulen aufwickeln. So passen die Stückchen später auch besser in den Spitzenschaft. 5.) Dann wird gewogen. Da mein Rohschaft auf 18 m mit ca. einem halben Meter deutlich zu weit links von der befiederten Gruppe lag, wollte ich meine Spitzen von 90 Grain auf insgesamt 140 Grain erhöhen. Jedoch werde ich mir sicherheitshalber noch eine Zwischenstufe mit 130 Grain gönnen, wiege also erstmal 40 Grain ab. 6.) Auf dem Bild zwar nicht dargestellt, jedoch selbsterklärend: innen wird die Spitze vorher natürlich mit Aceton, Terpentinersatz oder Ähnlichem gesäubert! Dazu eignet sich hervorragend ein Wattestäbchen. Zurück zum Lötzinn: Die Zinn-Stückchen gibt man nun in den Spitzenschaft...
Lötzinn im Spitzenschaft Spitze erwärmen aufgeschmolzenes Lötzinn
7.) ...und kann deren Spulenkontur auch noch gut im Spitzenschaft erkennen. 8.) Nun wird erwärmt, bitte dies größtenteils an der Spitze! Noch was, die Spitze sollte nicht zum Glühen gebracht werden! Das Erwärmen auf die notwendige Schmelztemperatur des Lötzinns dauert in der Regel gerade mal ein paar Sekunden. Idealerweise hält man die Spitze dazu senkrecht über den Brenner (der Erkennbarkeit wegen auf dem Bild leider nur schräg dargestellt). 9.) Zwischendurch wird durch Blick in den Spitzenschaft kontrolliert, ob das Lötzinn bereits aufgeschmolzen ist. Wenn ja, wäre die Sache bereits fertig.
Abkühlen des Lötzinns Eventuell muss nachgefüllt werden Eventuell muss nachgefüllt werden
10.) Die Spitze kann nun - am Besten senkrecht - abkühlen. In meinem Fall tut hier das Tintenfass (Lamy, und immer noch im Fachhandel erhältlich) mit spitz vertieftem Boden ausgesprochen gute Dienste. 11.) Zwar hier nicht dargestellt, aber meine Spitze wog nach dem ersten Ausgießen 131 Grain. Nach dem anschließenden Rohschafttest hatte sich wie erwartet herausgestellt, dass meine Pfeile noch immer ein wenig zu steif sind. Also wiege ich nochmals Lötzinn ab, das heißt in meinem Fall 9 Grain.
12.) Dieses nun wie oben beschrieben in den Spitzenschaft getan...
nochmaliges Erwärmen und Entölen abschließendes Wiegen
sicherheitshalber noch beschriften
13.) ...und aufgeschmolzen. Zu beachten wäre das sich eventuell auf der Oberfläche der Zinn-Schmelze absetzende Flussmittel, welches durchaus während des Schmelzens auch verdampfen könnte. Man sollte also sicherheitshalber nach dem Ausgießen z.B. mit einem Wattestäbchen nochmals den Spitzenschaft säubern, notfalls dann noch mit einigen Stückchen Lötzinn das Fehlgewicht ausgleichen. 14.) Habe ich dann auch gemacht, und fertig ist meine ausgegossene Spitze. Wie gewünscht ist diese in meinem Beispiel nun 140 Grain schwer. Mein Rohschaft steckte - wie gewünscht - ein klein wenig links tief von der befiederten Gruppe. Sollte die Spitze ein paar Grain zu schwer geworden sein, so läßt sich per Hand mit einem Bohrer die Sitze um ein paar Grain schnell und einfach wieder erleichtern. 15.) Damit später keine Missverständisse auftreten, wird die Spitze nun noch mit einem wasserfesten Stift beschriftet. Und wenn man mal das ursprüngliche Spitzengewicht zurückerhalten möchte, so läßt sich das Lötzinn auch wieder aufschmelzen und abgießen.

Das war's auch schon...

(C) www.Bogenwiese.de
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Autor:
Fotos/Fotobearbeitung:
Holger Hüning (c)
Holger Hüning (c)
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