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Auf den nachfolgenden Seite wird der Bau eines Langbogens beschrieben. Es handelt sich dabei um einen echten, traditionellen Bogen, hergestellt aus einem Stück Holz. Die meisten traditionellen Schützen kaufen ihre Bögen zwar - vielleicht nicht ohne Grund - von einem Bogenbauer, es ist jedoch auch möglich sich beim Bogenbauer nur einen Bogenrohling zu bestellen und den Bogen selbst zu bauen. Es erfordert jedoch einiges Wissen und auch Erfahrung (der erste Bogen gelingt selten) und die folgende Anleitung kann daher nur einen Überblick geben. Für unseren Bogen verwenden wir einen Rohling aus Hickory, einem nordamerikanischen Hartholz, welches aufgrund seiner Bruchsicherheit ein beliebtes Bogenholz ist.

Bogenrohling

Der Rohling ist grob vorgesägt und gibt somit schon die Form des Bogens vor. In unserem Fall ist der Rohling für einen Flachbogen vorgeschnitten. Ein Flachbogen besitzt eine eingezogene, steife Griffpartie und breite, flache Wurfarme. Das Layout ist somit ähnlich einem gekauften, laminierten Langbogen oder Recurvebogen, aber es stellt die älteste Bogenform dar und reicht bis in die europäische Steinzeit zurück. Die Form des Flachbogens stellt auch nicht so hohe Anforderungen an das Holz und ist daher für alle Bogenhölzer geeignet.

Die Form eines Bogens wird jedoch nicht nur aus optischen Gründen gewählt, sondern weil das Holz eine bestimmte Form haben muss, um sich optimal zu biegen. Wenn ein Bogen gespannt wird, geraten die Holzfasern auf der dem Schützen abgewandten Seite (dem Bogenrücken) unter Zug - die Fasern auf der dem Schützen zugewandten Seite (dem Bogenbauch) werden gestaucht. Hält der Bogenrücken dem Zug nicht Stand, so bricht der Bogen - hält der Bogenbauch dem Druck nicht Stand, wird das Holz zerdrückt. Dies kann auch zu einem Bruch des Bogens führen. Meistens passt sich der Bogen jedoch an und bleibt (nach Abnehmen der Sehne) in Richtung der Sehne krumm. Dieser sog. string follow macht den Bogen erheblich langsamer. Um beides, Bruch und string follow, zu vermeiden, müssen Form und Oberfläche des Bogens sehr sorgfältig herausgearbeitet werden. Insbesondere der Bogenrücken muss so glatt wie möglich sein, um dem Holzes keine Stelle zum Aufreißen zu bieten. Denn ein Bruch geschieht immer an der schwächsten Stelle.

Das Herausarbeiten des Bogenrückens ist auch der erste Arbeitsschritt beim Bogenbau. Unserer Bogenrohling ist ein geschnittener Rohling, d.h. der Baumstamm wurde mit einer Kreis- oder Bandsäge längs in Bretter bzw. Balken gesägt und ist dadurch vollkommen gerade. Ein normaler Bogenrohling ist aber eigentlich ein Spaltling, d.h. der Baumstamm wird mit Hilfe von Keilen und Hammer in Segmente gespalten. Die Form der Rohlinge folgt dann der Faserrichtung des Holzes und ist oft krumm und uneben. Einen Bogen aus einem Spaltling zu bauen ist sehr viel schwieriger und die folgende Anleitung lässt sich deshalb nicht für gespaltene Rohlinge verwenden. Solche Probleme haben wir bei einem geschnittenen Rohling nicht.

Als Werkzeuge eignen sich Raspel und Feile. Bogenbauer benutzten ein Ziehmesser, bei dem die gezogene Klinge das Holz schichtweise abträgt. Dies ist sehr viel effektiver, der Umgang damit jedoch schwieriger und es erfordert viel Übung. Wird das Messer ohne Rücksicht auf den Verlauf der Fasern gezogen, so kann es um den Rohling sehr schnell geschehen sein. Bei einem geschnittenen Rohling bietet ein Ziehmesser statt Vorteile nur Risiken, da dem Verlauf der Maserung nicht gefolgt werden soll. Der Bogenrücken unseres geschnittenen Rohlings wird am besten mit einer Raspel und anschließend mit einer Feile geglättet und muss eine ebene Fläche ohne jegliche Vertiefungen und Erhebungen ergeben. Muss aufgrund einer Vertiefung Holz entfernt werden, so darf nicht nur in der Nähe der betroffenen Stelle Holz abgetragen werden, sondern es muss, über den ganzen Bogenrücken verteilt, gleich viel Holz abgetragen werden. Ist der Bogenrücken vollkommen glatt, wird die gewünschte Form des Bogens auf den Bogenrücken aufgemalt.

Unser Rohling ist 2 m lang und der Bogen soll ein Zuggewicht von ca. 40 lbs erhalten. Der Bogen muss daher in der Draufsicht ungefähr folgende Form (Breite) haben: Griff: 2,3 cm Wurfarmansatz am Griff: 2,8 cm Wurfarmmitte: 2,8 cm Wurfarm unten: 2,5 cm Nocke: 1.5 cm. Diese Form wird mit einem Bleistift auf den Bogenrücken gezeichnet. Da unser Rohling schon fast diese Breite hat, kann die Form sofort mit einer Raspel herausgearbeitet werden. Wäre noch sehr viel Holz abzutragen, kann die Form auch mit einer Säge herausgeschnitten und die Seiten dann mit Raspel und Feile geglättet werden. Nun sind der Bogenrücken und die Seiten fertig.

Es fehlt zum fertigen Bogen also nur noch die Bearbeitung des Bogenbauches Aber hier beginnt die eigentliche Schwierigkeit des Bogenbaus. Denn über das Entfernen von Holz am Bogenbauch wird die Form der Biegung und auch das Zuggewicht bestimmt. Noch ist der Rohling so dick, dass man ihn gar nicht biegen kann. Dies ändert sich rasch. Man muss dabei folgende Gesetzmäßigkeit des Holzes beachten. Die Reduzierung der Breite eines Bogens auf die Hälfte, reduziert auch das Zuggewicht des Bogens um die Hälfte. Bei der Dicke eines Bogen reicht eine Reduzierung um 10% aus, um das Zuggewicht zu halbieren. Bei der üblichen Dicke der Wurfarme bei Flachbögen von unter 2 cm, entscheiden somit Bruchteile von einem Millimeter darüber, ob der Bogen zu leicht geraten ist oder nicht. Beim Griff ist das noch kein Problem, da dieser sich sowieso nicht biegen soll. Deshalb wird er auch zuerst herausgearbeitet.

griffpartie

Der Griff ist bei diesem Rohling schon für eine Länge von 33 cm vorgegeben (eigentlich ein wenig zu lang) und soll in der Tiefe (wir belassen es bei der vorgegebenen Tiefe von 3,5 cm) einen hohen Bogen beschreiben - ist somit mehr tief als breit und im Querschnitt fast dreieckig. Der Übergang vom Griff zum Wurfarm ist fließend, wobei der Wurfarm erst beginnen darf, wenn die breiteste Stelle erreicht ist. Der Griffbereich muss also auch im Übergangsbereich zwischen Griff und Wurfarm steif sein.

mittelteil

schuss Wie die Wurfarme sich biegen sollen, zeigt die folgende Abbildung des fertigen Bogens.

biegen Der Bereich der größten Krümmung liegt in der Wurfarmmitte, zum Ende hin sollte der Wurfarm etwas steifer werden, die letzten 15 cm vor den Nocken sollen dagegen wie auch der Griffbereich statisch sein. Aus diesem Grund wird der Wurfarm zum Ende hin auch schmaler und dicker gefertigt. Der jetzige Arbeitsschritt besteht im Abraspeln von Holz am Bogenbauch und anschließendem, probeweisen Biegen. Holz wird ab diesem Stadium ausschließlich am Bogenbauch abgetragen, die Seiten und der Rücken werden nicht mehr verändert. Der Bogen wird dabei (versucht) zu biegen, um festzustellen, wie leicht er sich schon biegen lässt und evtl. schon vorhandene Schwachstellen zu erkennen.

nocke Ist ein Wurfarm an einer Stelle zu steif, muss an dieser Stelle (mind. in einem Bereich von 15 cm) Holz abgetragen werden. Biegt sich der Bogen an einer Stelle zu stark, muss in allen anderen Bereichen Holz abgetragen werden, um dies auszugleichen. Ebenso verhält es sich bei Ungleichgewichten zwischen dem unteren und oberen Wurfarm. Dieser Arbeitsgang wird auch als Tillern bezeichnet. Ist der Bogen biegsam genug und zeigt keine größeren Schwachstellen, so kann der Bogen mit einer Sehne bespannt werden. Vorher müssen dazu natürlich noch die Nocken in das Holz geschnitten werden.

tillerbrett Um den Bogen zu schonen, ist es ratsam, eine Sehne zu verwenden, welche länger als der Bogen ist. In dieser Phase ist das Zuggewicht noch zu hoch und ein volles Bespannen führt vor Erreichen des Endzuggewichts nur zu unnötigem string follow. Ist der Bogen bespannt, wird er am besten vor einem großen Wandspiegel ausgezogen und betrachtet. Man kann den Bogen auch in ein Tillerbrett einspannen und so aus einiger Entfernung evtl. Ungleichmäßigkeiten in der Biegung besser erkennen.

Ein weiteres Ausziehen oder höheres Einspannen darf erst nach der Beseitigung einer erkannten Ungleichmäßigkeit erfolgen. Ein stärkeres Biegen des Bogens mit einem Ungleichgewicht in den Wurfarmen kann zum Bruch des Bogens führen. Ist der Bogen nicht mehr allzu schwer und biegt sich einigermaßen gleichmäßig, so wird er mit einer normalen Sehne bespannt.

Nach jedem Holzentfernen, sei es, um eine Ungleichmäßigkeit auszugleichen oder das Zuggewicht zu reduzieren, muss der Bogen danach 20 bis 30 Mal ausgezogen werden, bevor die Änderung spürbar oder sichtbar werden kann. Dieser Vorgang wird im Prinzip solange fortgesetzt, bis der Bogen sich vollkommen gleichmäßig im Sinne der angestrebten Form biegt und des gewünschte Endzuggewicht hat. Je näher man der Form des fertigen Bogens kommt, um so vorsichtiger sollte man allerdings werden. Der Bogen wird zum Ende hin immer empfindlicher auf das Abtragen von Holz ansprechen. Darüber hinaus ist das Verderben des Rohlings so kurz vor der Fertigstellung besonders ärgerlich. Der häufigste Fehler beim Tillern ist, dass man um ein Ungleichgewicht im Tiller zu beseitigen, zuviel Holz abträgt und somit ein neues Ungleichgewicht schafft, welches dann wiederum ausgeglichen werden muss u.s.w.. Bei so einem Missgeschick gerät der Bogen dann schnell zu leicht und hat letztlich nicht mehr das angestrebte Zuggewicht.

In so einem Fall kann man den Bogen an den Enden um ein paar Zentimeter kürzen, also die Nocken nach innen versetzen. Dadurch wird der Bogen wieder etwas schwerer. Aus optischen Gründen werden noch die Kanten zum Bogenrücken und Bogenbauch geglättet, so dass der Querschnitt der Wurfarme letztlich ein gerundetes "D" ergibt, wobei die Rundung die Bauchseite darstellt. (Das Abtragen der Kanten bewirkt natürlich eine nochmalige Verringerung des Zuggewichts, was vorher eingeplant werden muss.) Der fertige Bogen hat letztlich an folgenen Stellen ca. die Dicken/ Tiefen: Griff: 3,5 cm Wurfarmansatz am Griff: 1,7 cm Wurfarmmitte: 1,5 cm Wurfarm unten: 1,5 cm Nocke: 1.5 cm. Diese Maße können jedoch nicht als Zielwert für alle Hickoryrohlinge dieser Form und Länge dienen, da jeder Baum (und somit Rohling) anders ist. Man kann die Angaben nur als ungefähren Richtwert verwenden. Ist der Bogen fertig und hat auch nach mehreren Serien Probeschießen noch die gewünschte Form, kann die Endbearbeitung erfolgen.

Dazu wird der Bogen erst mit groben, dann mit feinem Schleifpapier abgeschliffen und zum Schluss mit feiner Stahlwolle poliert. Nun muss die Oberfläche noch behandelt werden, um den Bogen vor Feuchtigkeit zu schützen. Dazu wird der Bogen mehrmals eingeölt. Entweder mit Holzöl - es genügt aber auch Pflanzenöl (Sonnenblumenöl, Olivenöl). Um die Oberfläche zu versiegeln kann man den Bogen mit Wachs oder Bohnerwachs behandeln. In jedem Fall muss der Bogen einmal im Monat eingeölt werden. Unser Bogen wurde aus optischen Gründen vor dem Ölen gebeizt. Zum Schluss wurden noch ein Griff und zwei Pfeilanlagen (für Links- und Rechtshandschützen) aus aufgeklebtem Leder angebracht.

Langbogen

Nun noch ein paar Worte zum Zeitaufwand für den Bau eines Bogens. Wenn man kein professioneller Bogenbauer ist und mit der nötigen Vorsicht vorgehen will, kommt man um eine mittlere zweistellige Stundenzahl nicht herum. Einen schießbaren Bogen kann man zwar auch in ein paar Stunden erstellen, aber diesem wird man den Unterschied dann auch ansehen.

(C) www.Bogenwiese.de
Tipps & Tricks für Bogenschützen
Autor:
Fotos/Fotobearbeitung:
Sebastian Jonas (c)
Sebastian Jonas (c)

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