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FITA-Recurve FITA-Compound Traditionell
Bogensportler, die sich etwas ernsthafter mit dem Material und Tuningmöglichkeiten beschäftigen, bemerken den Einfluss der Eigenschaften der verwendeten Sehne und der Sehnenstärke auf das Materialverhalten und den Pfeilflug. Eine Sehne aus 14 Strängen gibt mehr Energie an den Pfeil weiter als eine aus 20 Strängen, es heißt, die dünnere Sehne ist „schneller“. Jedoch gibt sie auch Fehler des Schützen ungebremster weiter, die von Sehnen mit mehr Strängen „verschluckt“ würden. Auch die Sehnenlänge spielt eine Rolle. Die beim späteren Feintuning ausgeschossene Standhöhe ist abhängig davon, welche Gesamtlänge vorhanden ist, denn durch gezieltes Eindrehen wird die beste Standhöhe ermittelt und somit der höchste Wirkungsgrad erzielt.

Wickelgerät Wickelgarn Schere Messer

Wir benötigen:

  • ein Sehnenbrett oder Sehnengalgen. Wer dieses Gerät nicht zuhause haben sollte, findet eventuell in einem Bogensportverein die Möglichkeit, eines zu benutzen. Im Internet finden sich Bauanleitungen für Sehnenbretter.
  • Sehnengarn
  • Wickelgarn für Mittelwicklung (hier auf gute Qualität achten) und Endwicklungen (hier können preislich günstigere Alternativen verwendet werden)
  • ein Wickelgerät für das Wickelgarn
  • Schere oder Messer

Auch bieten sich Materialgemeinschaften an, d.h. mehrere Schützen teilen sich die Anschaffungskosten für Sehnenmaterial und Wickelgarn.

Das Umwickeln der Sehne ist unbedingt zu empfehlen, da sowohl durch die Nocken der Pfeile als auch durch das Streifen der Sehne am Armschutz einzelne Stränge beschädigt werden können, so dass sie reißt.

Arbeitsschritte:
1. Sehne wickeln
2. Wurfarm- oder Endwicklung
Endwicklung 1 Öhrchenwicklung (optional)
Endwicklung 2 Sehnenbettwicklung
3. Mittelwicklung

Nach Fertigung der Mittelwicklung wird ein provisorischer Nockpunkt angebracht und der eigene Nockpunkt ausgeschossen.

Sehne wickeln

Das Sehnenbrett wird mit Hilfe von Zwingen am Tisch befestigt oder in eine Heimwerkerbank eingespannt. Als Vorlage für die Länge der neuen Sehne dient die alte Sehne. Bitte beachten: sie muss komplett ausgedreht werden, um die tatsächliche Länge zu ermitteln.

Sehnenbrett
Wir legen die alte Sehne ein wie auf dem Foto gezeigt, also ein halbes Mal um das Sehnenbrett herum, spannen den Querarm auf diese Länge und setzen eine Markierung.
Heimwerkerbank
Tendenziell ist eine längere Sehne besser als eine zu kurze, denn Eindrehen ist später noch möglich. Mehr Sehne bedeutet allerdings auch mehr Masse, die den Schuss verlangsamt, und auch dem Eindrehen zur optimalen Standhöhe sind Grenzen gesetzt, also ist ein Mittelweg gefragt.

Wir spannen den Querarm also auf Maximallänge.
Dann wird die alte Sehne ausgehängt (Querarm ggf. lösen), der Querarm an der Markierung festgezogen und wir können anfangen zu wickeln.

Je gleichmäßiger die Spannung des Sehnenfadens während des Wickelns gehalten ist, desto besser. Kleiner Tipp: Ausprobieren, ob eine handelsübliche runde Klebestiftrolle oder ähnliches durch die Sehnenrolle passt. Das erleichtert eine gleichmäßige Abrollbewegung.
Pfosten Uhrzeigersinn
Wir befestigen den Anfang des Sehnengarns unten am Sehnenbrett um beginnen im Uhrzeigersinn die Wicklung an Pfosten 1.
Spannkraft Teilstück
Der Faden muss mit absolut konstanter Spannkraft gleichmäßig um die Pfosten geführt werden.
Beim Wickeln sollte kein Teil der Sehne „durchhängen“. Es kann vorkommen, dass man noch einmal neu anfangen muss, weil ein Teilstück nicht parallel zu den anderen verläuft. Hängt einer der Stränge durch, tendiert die fertige Sehne später beim Schießen zum Streuen.
Sehne Soll eine 16-Strang-Sehne entstehen, wird also die Rolle achtmal um den gesamten Apparat bis zum Pfosten 2 geführt und wieder am Sehnenbrett befestigt.


Wurfarm- und Mittelwicklung

Für Rechtshandschützen gilt: Die Sehnenwicklung wird in Wickelrichtung in Uhrzeigersinn gewickelt, bei Linkshändern entsprechend im Gegenuhrzeigersinn.
Rollt die Sehne beim Ablass über die Fingerkuppen der rechten Hand, dreht sie sich im Uhrzeigersinn und damit in Richtung der Wicklung. Sie wird nicht aufgedreht.
Aus demselben Grund drehen übrigens Rechtshänder auch ihre Sehne im Uhrzeigersinn ein. Wicklungs- und Eindrehrichtung sollten also übereinstimmen.

Das wichtigste ist jedoch, dass alle Teilwicklungen in dieselbe Richtung gewickelt sind, um keine unterschiedlichen Spannungsgrößen zu erzeugen und so die Sehne möglichst ruhig arbeiten zu lassen.

Endwicklung erster Teil (Öhrchenwicklung)

Öhrchenwicklung Teilwicklung

Um die Wickelstrecke der Öhrchenwicklung zu markieren, messen wir die Mitte der Teilwicklung aus und markieren rechts und links davon jeweils die Wickelstrecke des Öhrchens der alten Sehne (auf dem Foto die Strecke zwischen 2 und 1).
Wickelgarn Wickelrichtung
Den Anfang des Wickelgarns legen wir die Sehne entlang in Wickelrichtung, es wird vom Garn umwickelt gehalten werden. Sorgfältig eng zusammenliegend und fest wickeln.
Garnanfang
Den Garnanfang einige Male um die Sehne schlingen und dann umwickeln.
Markierungsende
Nach einigen Zentimetern kann der Rest des Wickelgarns abgeschnitten werden.1-2 Zentimeter vor Markierungsende stoppen.

Die Endwicklung ist eine spezielle Methode, das Ende der Wicklung ohne jegliche Knoten oder Schlaufen herzustellen. Dabei wird das Garnende regelrecht unter die Wicklung gebracht und überwickelt. Anschließend braucht nur noch das Garnende festgezogen werden. Es wird dann sicher und zuverlässig von der Wicklung gehalten.
Wicklung

Durch die oben dargestellte Computergrafik symbolhaft dargestellt, wird die Sache nun auch in der Praxis gezeigt:
Wickelgerät Schlaufe Spannung
Eine größere Schlaufe nach unten ziehen, von vorne das Wickelgerät über die Sehne führen. Hier und bei den folgenden Schritten die bisherige Spannung halten.
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Nun wird das Wickelgerät innen durch die Schlaufe so oft in die Gegenrichtung gewickelt, bis die Breite des noch bis zur Markierung ausstehenden Teils erreicht ist. Diese Windungen werden gleich wieder aufgelöst werden.
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Spannung weiter halten.
Das Wickelgarn in Richtung Wicklungsanfang führen und am Pfosten befestigen. Wir schließen jetzt die Lücke in der Mitte, wickeln das äußerste Ende des Wickelgarns wieder zurück in Richtung Anfang, und wickeln so sicher das Wickelgarnende ein. Es verbleibt eine Schlaufe - noch immer die Spannung halten.
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Ein Nagel hilft das Verdrehen des Garns zu verhindern, wenn ganz zum Schluss das Wickelgarn am Pfosten wieder gelöst wird und besagte Schlaufe durch die eben gewickelte Ebene hindurch gezogen wird. Fest anziehen!
So in etwa sollte das aussehen...

Die zweite Öhrchenwicklung wird auf dieselbe Weise angebracht.
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Endwicklung zweiter Teil

Der zweite Teil der Endwicklung schont stark beanspruchte Teile der Sehne und wird daher im Vergleich zur Öhrchenwicklung relativ fest vorgenommen. Die Wicklung darf jedoch nicht zu straff sein, da eine übermäßige Belastung des Sehnenbetts bei jedem Schuss die Folge wäre.
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Jetzt können wir die Sehnengarnrolle und die verbleibenden Halterungen abschneiden.
Wir hängen die Sehne um in die L-Form, die Wicklungen werden an den Endpunkten in etwa gleich lang ausgerichtet.
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BB-Tipp-037_Bild-31 Zur besseren Befestigung der Enden werden diese wie auf den Fotos gezeigt kreuzweise einige Male um die Sehne geführt und am Pfosten befestigt
Wir setzen die Markierung für die Sehnenbettwicklungslänge. Als eine übliche Länge für die Endenwicklungen haben sich 10 cm erwiesen.
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Wie bei den vorigen Wicklungen legen wir den Anfang des Wickelgarns so, dass wir die ersten Wicklungen darübersetzen. Wir beginnen am Ende der Öhrchenwicklung und wickeln etwa zwei Zentimeter die Öhrchenwicklung in Richtung Sehnenende ein,
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BB-Tipp-037_Bild-37 durch die Festigkeit des Zugs dreht sich die Sehne ein wenig ein,
BB-Tipp-037_Bild-38 legen das Garnende um 180 Grad gedreht in Richtung Sehnenmitte, wechseln die Wickelrichtung und wickeln in Richtung Mitte der Sehne zurück.
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Jetzt können wir das Garn abschneiden und weiterwickeln,
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bis wir kurz vor der Markierung wieder mit Hilfe der Schlaufentechnik das Wickelgarnende sicher befestigen,
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  indem wir das Garn am Endpfosten fixieren und die Mitte zuwickeln,
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und dann die Schlaufe unter der Wicklung kräftig festziehen. (siehe auch Ende Öhrchenwicklung weiter oben). Jetzt trennen wir uns auch von dem restlichen Sehnengarn.
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BB-Tipp-037_Bild-49 Praxistipp: Stark färbendes Wickelgarn, wie z.B. FastFlight mit einem Stück Papier kräftig abreiben


Sehne strecken

Nach dem Wickeln der Enden befestigen wir die Sehne gut (z.B. Sehne um festen Pfosten und durch Öhrchen führen) und strecken sie soweit wie möglich, drehen sie zehnmal ein und strecken sie nochmals mit aller Kraft.
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Oftmals reicht es auch schon, die Sehne auf den Bogen aufzuspannen und beide Wurfarme an den Wurfarmspitzen regelrecht auseinander zuziehen. Auf jeden Fall müssen sich die Stränge durch das Strecken ‚setzen’, damit eine gleichmäßige Spannung aller Stränge gewährleistet ist. Letztendlich ist dadurch ein genaues Schießen mit der Sehne überhaupt erst möglich.

Runden der Sehne

Wir spannen die Sehne jetzt auf den Bogen und lehnen ihn mit der Sehne nach oben gegen einen Gegenstand, wie auf dem Foto weiter unten gezeigt.
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Mit einem Stück Sehnengarn bilden wir eine enge Schlaufe um die Sehne,

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fixieren den Bogen z.B. mit dem Fuß auf dem Mittelstück und führen die Schlaufe in gleichmäßigen Bewegungen die gesamte Sehne entlang, etwa ein bis zwei Mal.
Die heutigen Sehnen müssen kaum noch entwachst werden, aber die Sehne wird durch die Wärme und den Druck zu einem gleichmäßigeren Strang verbunden.
Nach dem ersten Durchgang spannen wir die Sehne aus, drehen sie zehnmal ein und spannen den Bogen wieder. Der Rundungsvorgang wird wiederholt.

Mittelwicklung

Wir spannen den Checker auf Höhe der Pfeilauflage auf die Sehne und markieren die ungefähre Nockenmitte etwa 3 Millimeter oberhalb der Pfeilauflagenhöhe. Links und rechts davon wird eine weitere Markierung für die Länge der Mittelwicklung angebracht. Als Vorlage kann die alte Sehne dienen. Zu beachten ist, dass die Mittelwicklung wie alle Wicklungen lang genug sein soll, um wiederkehrende Kontaktstellen zu schützen, und doch so kurz wie möglich gewickelt wird.
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Sind die verwendeten Nocken zu breit, um auf der einfachen Wicklung zu halten, so kann eine zusätzliche Mittenwicklung unter der eigentlichen angebracht werden. Als Material eignen sich Knopflochseide oder Zahnseide. Eine ausführliche Anleitung findet sich unter BB-Tipp-011.
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Anfang unter die Wicklung legen, einwickeln,
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vor Markierungsende Schlaufe bilden, Wickelgerät hindurchführen, rückwärts ausstehenden Teil wickeln, Garn Richtung Wicklungsanfang, fixieren, Lücke zuwickeln,
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Ein letztes Mal kräftig nachziehen, Garn abschneiden, fertig ist die selbstgewickelte Sehne. Es fehlt dann nur noch eine passende Schutzhülle für den Transport.

Vielen Dank an Holger und Wolfgang für die kompetente Hilfe zu diesem Beitrag!
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(C) www.Bogenwiese.de
Tipps & Tricks für Bogenschützen
Autor:
Fotos/Fotobearbeitung:
3D-Grafik:
Tanya Lackner (c)
Wolfgang Schwarz (c)
Holger Hüning (c)

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