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Faszination Bogenschießen

Faszination BogenschießenEs gibt verschiedenste Gründe, die uns auf den Begriff Bogenschiessen stoßen lassen. Bogenschiessen, wer würde da nicht ersteinmal an den in seinen Kindertagen ersten spielerischen Kontakt zur selbstgebauten Schießrute denken. Oder man erinnert sich an legendäre Helden aus dem Altertum: Odysseus, Robin Hood oder gar die gefürchteten berittenen mongolischen Bogenschützen im 12. Jahrhundert. Ein völlig anderes Ansinnen hingegen hatte der griechische Gott Eros. In der römischen Mythologie übernahm dieses Amt hingegen Amor, dessen Pfeil beim Schuss mitten ins Herz die Liebe zu entfachen suchte. In der Steinzeit war im Kampf gegen den Hunger gar der Bogen die Jagdwaffe schlechthin, 30.000 Jahre sind seither vergangen. Heute nehmen Interessierte für das Bogenschießen oft den Kontakt über Vereine auf, meist um direkt an einem Kursus im Bogenschiessen teilzunehmen. Denn das Schießen mit dem Bogen sieht leichter aus als es tatsächlich ist!

Das moderne Bogenschiessen hat mit all den früheren Gebräuchen kaum noch etwas gemeinsam. Denn in den meisten Staaten steht heutzutage ausschließlich der sportliche Wettstreit im Vordergrund. Dabei gibt es verschiedenste Bau- und Stilarten des Bogenschiessens. Beim Faszination Bogenschießen: Kyudo-Handschuhjapanischen Kyudo-Bogen zum Beispiel ist das Sportgerät ca. 2.20 m lang, weist sowohl von der Seite als auch beim Blick über die Sehne eine geschwungene Form auf. Der Bogen wird dabei im unteren Drittel gehalten. Der Kyudo-Schütze spannt die Sehne auch nicht mit den Fingern, er benutzt dafür einen speziell für ihn maßangefertigen Schießhandschuh mit einer rillenartigen Sehnenhalterung auf dem Daumen. Auch einige der osteuropäischen Reiterbögen wurden auf diese Art geschossen, dabei kam ein Daumenhornring zur Anwendung. Doch beim Kyudo spielen auch Zeremonien eine große Rolle, ebenso Graduierungen des Bogenschützen bis hin zu Meisterreife. Eigentlich ist es der Weg, sich permanent weiterzuentwickeln, ein Lebensweg.

 

Traditionelles Bogenschiessen vom Pferd

Pettra Engeländer beim Kassai-Bogenschießen im Apassionata-KostümAuch das Schießen vom Pferd aus ist heute noch immer einer der traditionellen Arten des Bogenschiessens. Bis Ende des 12. Jahrhunderts waren es die Mongolen. Doch auch heute wurde dieser Weg des Bogenschiessens wiederentdeckt. Der ungarische Bogenbauer Lajos Kassai hat dieses in heutiger Zeit zur Perfektion gebracht und gilt als Meister seiner Klasse. Immerhin werden dabei aus vollem Galopp mehrere Schüsse auf ein Ziel abgegeben. 90 m ist die Bahn dabei lang, in deren Mitte der Scheibenturm dreiseitig getroffen werden muss. 90 cm beträgt der Durchmesser jeder der drei Scheiben. In maximal 18 Sekunden muss die Strecke absolviert sein. Auch einer der japanischen Arten des Bogenschiessens – Yabusame – wird vom Pferd aus durchgeführt, ist aber des Aufwandes und der Kosten  wegen nur noch sehr selten vertreten. Die Bahn ist hier 255 m lang. Es wird beim Yabusame auf Holzbrettchen geschossen, die mit den Pfeile getroffen werden müssen. Insgesamt gibt es drei solcher Ziele entlang der Bahn. In Japan gilt diese Art des Bogenschiessens eher als Zeremonie als dass es als Sport angesehen wird.

Beinahe schon als Weitschießen ist die Koreanische Art des Bogenschiessens anzusehen, und erfreut sich heutzutage gerade in Korea überaus großer Beliebtheit. Geschossen wird dabei mit einem kurzen Reiterbogen-ähnlichen Bogen auf 160 Yards (ca. 146 Meter). Auch dieser Bogen wird mit einem Daumen-Hornring geschossen. Man nimmt an, dass die Bauform des koreanischen Bogens aus China bzw. der Mongolei stammt.

Bogenschiessen weltweit

Compound BogenschiessenEin Großteil der Bogenschützen weltweit hat sich auf das Traditionelle Bogenschiessen, dem Olympischen Recurvebogen oder dem Compound-Bogenschiessen spezialisiert. Denn zusätzlich zu den bereits beschriebenen Bogenarten gibt es beim Traditionellen Bogenschiessen – im Sinne des westlichen Bogenschiessens - viele Abarten des Langbogens, der englische Longbow ist dabei sicherlich eine der bekanntesten Formen. Mit Übung, Erfahrung und viel Geduld läßt sich solch ein Bogen auch selbst bauen. Meist wird er aus einem einzigen Stück Holz – dem Rohling  - gefertigt. Die Kunst des Bogenbaus liegt hier in der richtigen Wahl des abgelagerten Holzes, einer bestimmten Form- und Schichtwahl aus dem Stamminneren und der letztendlichen Bauform des Bogens, die durch mühevolles Abtragen von Holz nach und nach erreicht wird. Solch ein Langbogen entspricht in etwa der Körpergröße des Bogenschützen. Jedoch gibt es auch vom Langbogen neuzeitlichere Bauformen. Dabei besteht dann der Bogen aus mehreren Schichten verschiedenster Materialien, durch deren spezielle Eigenschaften der Bogen dann seinen Charakter erhält. Dafür werden teils sogar unterschiedliche Holzarten und Glasfiberschichten, in seltenen Fällen auch Carbon miteinander verleimt. Oft werden bei dieser Bauform bereits ein angedeuteter Griff sowie ein erkennbares Bogenfenster mit integriert. Bei vielen der Traditionellen Bögen wird auch entsprechendes Pfeilmaterial verwendet, beispielsweise Holz oder Bambus. Materialbedingt bestehen die Schäfte dann gerade bei Holz aus Vollmaterial. Auch für die Befiederung wird für das Traditionelle Bogenschiessen gern auf Truthahn- bzw. Gänsefedern zurückgegriffen.

Bogenschiessen Olympischer Recurvebogen

Olympischer RecurvebogenSchwenken wir nun einmal zum Olympischen Recurve, der Bogenart, dessen Name bereits seine Herkunft preisgibt. In den Jahren 1900 bis 1920 war Bogenschiessen bei den Olympischen Spielen vertreten, danach wurde es aussondiert. 1972 wurde Bogenschiessen wieder in das olympische Programm mit aufgenommen, jedoch nur der Olympische Recurvebogen. Der Bogen entspricht dabei grob gesehen kaum noch den traditionellen Bögen, denn bereits seit Jahrzehnten besteht dieses Bogenmaterial aus einem Metall-Mittelstück und zwei separat montierbaren Wurfarmen. Die Wurfarme sind dabei aus mehreren Lagen spezieller Schichten aufgebaut, je nach Eigenschaft und Preisklasse wird dazu Holz, Glasfiber, Carbon und Foam, also einem hart-syntaktischen Schaum-Material, verwendet. Die in Zielrichtung gebogenen und spitz zulaufenden Wurfarmenden geben dieser Art Bögen seinen Namen: Recurvebogen. Einer der Haupteigenschaften des Recurvebogens liegt dadurch bedingt bereits fest, denn im Gegensatz zu den Langbögen weisen Recurvebögen ein gleichmäßig weiches Zugverhalten auf. Ebenso sind die Recurves für die hohe Effektivität der Abschussleistung verantwortlich. Doch die Ausrüstung eines Olympischen Recurvebogens ist umfangreicher. Oft prägen zusätzliche Anbauten das Bild dieser Bogenklasse. Ein Visier mit höhen- und seitenverstellbarem Korn, eine büroklammerähnliche Auflage für einen Pfeil (Pfeilauflage) sowie ein knopfähnlich und federelastisch agierender Anlageknopf für den Pfeil (Button) sind wesentliche Merkmale und entsprechen der Zulassung. Ebenso die in Zielrichtung weisenden und mit Gewichten ausgestatteten Stabilisatorstangen sind erlaubt, die den Bogen durch ihre Trägheit im Moment des Abschusses ruhig halten sollen. Zusätzlich werden meist noch seitliche abstehende und auf den Schützen zuweisende Stabilisatoren benutzt. Die Sehne des Bogens wird mit den Fingern gespannt, meist geschützt durch ein Lederstück (Tab). Als Pfeilmaterialien kommen dabei Aluminium, Carbon oder Kombinationen aus beiden Materialien zur Anwendung, der Pfeilschaft ist hohl.

Bogenschiessen Compoundbogen

Compoundbogen BogenschiessenVöllig anders hingegen der Aufbau eines Compound-Bogens. Denn hier fließen zusätzliche Technikelemente ein. Der Bogen ist deutlich kürzer als ein Recurvebogen. Am Ende jedes Wurfarmes befindet sich je eine Rolle bzw. ein Cam. Diese ist exzentrisch auf ihrer Drehachse gelagert. Dieses Rollensystem verbindet ein spezielles Kabelsystem sowie die eigentliche Bogensehne. Spannt der Schütze nun den Bogen, so drehen sich die Rollen um ihren exzentrischen Punkt, während das Kabelsystem beide Wurfarme zusammenzieht. Der Schütze hat dabei in der ersten Hälfte des Zugweges einen hohen Kraftaufwand zu betreiben. Beim weiteren Spannen des Bogens und nach Überwindung des höchsten Punktes der  Rollen/Cams reduziert sich der Kraftaufwand erheblich, man nennt dieses Phänomen Let-Off. Reduzierungen des Zuggewichtes von 50 bis 80 %  sind je nach Bauart und Anwendung des Bogens üblich. Bei voll gespanntem Bogen hält der Schütze in der Regel also nur noch weniger als die Hälfte des ursprünglichen Zuggewichtes. Diese Bogenart ist noch sehr jung, denn erst Ende der 60er Jahre wurde der Compoundbogen in den USA erfunden. Dort gilt diese Bogenklasse sowohl als Sport- als auch als Jagdwaffe. Gerade durch die hohe Abschussgeschwindigkeit von 300 fps (330 km/h) und des dabei geringen Endzugs mit der Möglichkeit, den Bogen lange gespannt zu halten, machten diese Bogenklasse für die Jagd besonders attraktiv. Dieses ist in Europa jedoch nicht erlaubt, hier wird dieses Bogenklasse ausschließlich als Sportgerät benutzt. Zum Vergleich, Recurvebögen können den Pfeil auf bis zu 230 km/h beschleunigen. Zusätzlich sind am Compoundbogen oft noch ein Visier, dieses teils mit Lupe und Wasserwaage, dann die Pfeilauflage, eine in die Sehne eingearbeitete Kimme (Peepsight) und Stabilisatorstangen angebracht. Erst durch die Verwendung der Kombination von Peepsight und Visierlupe entsteht ähnlich einem Fernrohr ein für den Schützen wahrnehmbarer Vergrößerungseffekt des Ziels. Die Sehne wird übrigens meist mit einer ankerartigen Vorrichtung gespannt, dort ist ein Auslösemechanismus zur Freigabe der Sehne und somit des Pfeils integriert. Es versteht sich von selbst, dass nicht nur das Schießen mit diesem Sportgerät fasziniert, auch deren Technik begeistert. Diese Art des Bogenschiessens ist zwar hochgradig genau, jedoch bedarf es dazu auch einer besonders geübten und gleichmäßigen Schießtechnik. Denn erst die dadurch bedingt besseren Trefferbilder trennt die Leistungsklassen der Compound-Schützen. Dieses zu erreichen, mit solch einem Hightech-Gerät auch umgehen zu können, darin liegt die Faszination des Compounds.

Die Kyudo-Schützen beim Bogenschiessen

Kyudo BogenschiessenAll die bereits genannten Arten des Bogenschiessens haben ihre eigene Besonderheit. Teils ist es Technik, teils aber auch die Liebe zum möglichst naturbelassenen Schießen. Oft spielt dabei auch die Umgebung, das Ambiente, ja, selbst die Kleidung eine Rolle. Sei es der Kyudo-Schütze, den man ohne seine Kyudo-Kleidung mit Gi (Hemd), Hakama (Hosenrock) und Obi (bei Männern der Kyudo-Gürtel) kaum antreffen wird. Oder sei es die dem Mittelalter nachempfundene Kleidung vieler Longbow-Schützen. Auch die traditionelle weiße FITA-Kleidung ist bei Wettkämpfen noch oft anzutreffen. So mancher Bowhunter-Bogner im Jagdparcours tritt gern auch in Camo- bzw. Militärkleidung an. Doch Sport ist Sport, und Schießen mit der passenden Kleidung teils auch Tradition. Und so streifen viele ihren täglichen Trott mit der Kleidung ab, üben ihr Bogenschiessen in der der Bogenklasse angemessenen Kleidung aus.

Kyudo BogenschiessenZurück zur Faszination. Worin könnte die noch liegen, ausser dem Gerät selbst, oder dem bereits angesprochenen Ambiente? Vielmehr ist es bei vielen der Schützen zusätzlich das eigene Bestreben sich zu entwickeln. Der Begriff Kyudo prägt dieses recht passend, denn dieser symbolisiert damit 'Den Weg des Bogens'. Beim täglichen Training gilt es, durch Vervollkommnung der Körperbewegungen in ihrem nahezu gleichmäßigen Bewegungsablauf dieses so auch auf den Schuss zu übertragen, auch die innere Einstellung vollkommen darauf auszurichten. Der Abschuss, das sich Lösen des Pfeiles, sein Flug bis hin zum Ort des Einschlages auf dem Ziel geben Aufschluss über unsere vorherige Bemühung und über unsere Entwicklung auf diesem Weg. Auch sich dabei mental auf den bevorstehenden Abschuss einzustellen gilt bereits als Herausforderung, denn die Einflüsse des Umfeldes spielen eine überaus große Rolle für die eigene Konzentrationsfähigkeit. Sicher ist der Weg des Bogens im Sinne eines Kyudoschützen noch durch weitere Aspekte geprägt. Denn der Weg wird hier als Lebensweg, als ein sich permanentes Entwickeln und Vervollkommnen aufgefasst. Ein Weg, geboren aus der Tradition, geprägt durch Riten und Gebräuche bis hin zu Zeremonien die uns fremd erscheinen, geprägt durch Lernen, dem Lehrer, und dem eigenen Werdegang. Eine Klassifizierung in verschiedenste Stufen der eigenen Entwicklung durch die Kyudo-Dan-Grade erscheint uns fremdartig. Aber vielleicht liegt hier ja auch eine der Faszinationen, regelrecht eine Antriebsfeder, sich selbst zu entwickeln und als Lohn, als sichtbares Zeichen für sich und andere auch die nächst höhere Stufe zu erreichen.

Der Weg zur Perfektion im Bogenschiessen

Bogenschiessen WettkampfDoch wir waren beim Schuss als Ergebnis vorherigen Daraufhinarbeitens. Vorangegangene langfristig erarbeitete Schießübungen gingen dem voraus. Körperfremde Bewegungen galt es,  ersteinmal erlernt zu werden. Anfängerkurse unter Anleitung, dann die ersten eigenen selbstständigen Schüsse, Korrekturen durch Trainer und Betreuer, um wiederum diese dann umzusetzen. In einem immer und immer wieder kehrenden Prozess ähnlich einem Kreislauf war stets das Ziel, jederzeit die Fähigkeiten des Körpers auf diesen einen Moment des Abschusses zu trimmen. Die reproduzierbare Anwendung auch auf die noch folgenden Schüsse musste zunehmend vervollkommnet werden.

Eine Serie von geschossenen Pfeilen erscheint dabei auf der Scheibe als Trefferbild. Deren Größe gibt uns eine Aussage über die Qualität der geschossenen Pfeile. Engere Gruppen von Trefferbildern stehen letztendlich auch für gute Ergebnisse auf der Scheibe in Form von Zahlen, beim Bogenschießen Ringe genannt, drücken so unseren Leistungsstand aus. Dies läßt es zu, uns z.B. bei Wettkämpfen mit anderen Schützen zu messen. Stellt demzufolge das Erreichen enger Treffergruppen den Antrieb eines Bogenschützen dar? Womöglich eng im Sinne eines einzigen kleinen Punktes auf der Scheibe? Denn dann wäre jeder Schuss von absoluter Gleichmäßigkeit, geradezu von Perfektion geprägt.

Bogenschiessen, hier traditionelles Bogenslchießen mit einem Reiterbogen und HornringUnd irgendwie erinnert uns dies wieder an die Anfänge unseres sportlichen Bogen-Werdegangs. Denn als grob umrissen galten in den ersten Unterrichtsstunden unsere Bemühungen, ähnlich einem weitläufigen Kreis. Es galt, den Bewegungsablauf grobmotorisch zu erlernen. Nur wenige Anweisungen waren einem geläufig und konnten auch gerade so umgesetzt werden. Im Laufe der Zeit schloss sich dann zunehmend dieser Kreis, aus den Anweisungen wurden vertraute Bewegungen, ein beinahe schon automatisch ablaufendes Programm. Wir festigten das bereits  Erlernte, hatten Platz geschaffen für den Zufluss weiterer Details, deren Schwierigkeitsgrad nun stieg.

Den Abschuss auf den Punkt gebracht

Als Schütze war einem dann bewusst, das sich dieser Kreis der eigenen Bewegungskoordination irgendwann zunehmend schließen müsste. Bestimmt würde man die Sache quasi auf einen Punkt bringen können, ja, ähnlich diesem Punkt des perfekten Trefferbildes. Doch genau diesen Punkt – den absolut perfekten Schuss – kann man den überhaupt je erreichen? Das fortwährende Erlernen und Vervollkommnen von Details musste man ja hinnehmen, denn eine permanente  Weiterentwicklung ist erforderlich, eben, um den Pfeil noch gleichmäßiger, noch perfekter abschießen zu können.

Bogenschützen während dem Bundesliga-Finale, der höchsten nationalen Wettkampfklasse im Olympischen BogenschießenEs ist also eher ein ständiges Daraufhinarbeiten, ein sich Weiterentwickeln. Werden weitere dieser Elemente eingebracht, so wird unser Punkt schnell wieder zu einem sich ausbreitendem Gebilde, nicht mehr homogen, auch nicht rund. Denn je mehr von allen Richtungen einfließt, desto schwieriger wird es, dieses auch umzusetzen. So muss der Schütze dann vieles nacheinander abarbeiten, auch wenn es mehrere solcher Baustellen gibt. Was Anfangs noch im Groben eingeübt, regelrecht einstudiert wurde, sind nun kleinste Details. Wiederum können wir das Gebilde etwas verengen, treffen dadurch ein wenig besser. Doch wir, einschließlich unseres Bewegungsapparates sind sehr komplex, somit trifft dieses auch auf unsere Physis und unsere Psyche zu. Eine Änderung im Gesamtsystem bedingt immer auch ein sich Verschieben kleinster Zustände, Empfindungen und Fähigkeiten, so gering solche Änderungen auch sein mögen. Alles beeinflusst sich gegenseitig. Aus einer kleinen Baustelle werden schnell große unübersichtliche Bauplätze. Doch genau solche Hürden umzuwandeln in greifbare Ergebnisse gehört zum Werdegang  eines Bogenschützen, eben dieses im Bogenalltag zu meistern. Trotz dieser Hürden peilt so mancher Schütze dabei zielstrebig die Meisterschaft als Höhepunkt einer Saison an. Diesen Antrieb, genau diese Faszination, besser zu sein als andere, auch dieses prägt unsere Sportart, die Faszination des Bogenschiessens.

Ein ständiges auf und Ab, nah am Optimum

Bogenschiessen FITAOb wir also je diesen Punkt der absoluten Perfektion erreichen? Manchmal, ja, da haben wir dieses Gefühl. Ein Schuss, der absolut perfekt abgeschossen wurde, möglicher Weise auch im Zentrum der Scheibe landet. Doch bereits beim nächsten Pfeil könnte dieses anders aussehen. Somit zählt nicht nur der eine gerade eben geschossene Pfeil, auch - nein, vor allem der, der danach kommt. Im Prinzip ist es immer ein Auf und Ab. Ab und an kommen wir möglicher Weise der angestrebten Perfektion recht nahe, doch ein anderes Mal entfernen wir uns wieder, müssen dann neu aufbauen.

Es fasziniert sich zu entwickeln. Beinahe ist es ein Bestreben, eher schon eine Sucht besser als gerade noch zuvor zu sein. Von Schuss zu Schuss, von Serie zu Serie, von Training zu Training. Manchmal liegt die Bestrebung auch darin, Erworbenes lediglich erstmal zu halten, zu stabilisieren, um darauf dann aufzubauen. Denn auch das im Laufe der Zeit immer wieder kehrende Auf und Ab unserer Leitungszustände gilt es eingedämmt zu werden, ähnlich einem schmalen Schlauch, in dem wir uns dann mit unseren Leistungen bewegen. Ja, vor allem von Wettkampf zu Wettkampf.

Für so manchen Bogenschützen  liegt aber bereits die Faszination darin, seinen Sport lediglich 'nur' auszuüben. Ein als angenehm empfundenes Bewegungsgefühl, der Einklang mit Material und Umgebung, beinahe ein Verschmelzen mit dem Drumherum sind dann ausschlaggebend, überdecken teils sogar ein Bestreben nach Bestleistungen. Denn auch das Feeling beim Schießen macht unseren Sport so reizvoll. Man taucht in eine Welt der Leidenschaft ein...

...eine Welt, deren Ausübung auch ein Weg der eigenen Entwicklung sein könnte.

Die Faszination des Bogenschiessens.

Bericht: Holger Hüning (c)
Fotos, Bilder und Bildbearbeitung Allgemein: Wolfgang Schwarz (c)
Fotos Kassai, berittenes Bogenschießen: Mit  freundlicher Genehmigung Pettra Engländer (c)

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