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Bogenschießen- Die Sportart für jedermann!

© Artikel für die Zeitschrift Der Übungsleiter von Sandra Dehn.
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Wenn man Bogenschießen hört, denkt man sofort an Winnetou oder Robin Hood. Diese Art des Schießens hat aber mit der modernen Form der olympischen Sportart Bogenschießen wenig gemeinsam. Trotzdem ist es für jedermann, egal welchen Alters und welcher körperlichen Voraussetzung, geeignet.
Ich erlebe, dass gerade in der letzten Zeit die Nachfrage nach Bogenschießen immer mehr steigt. Daher will ich mit diesem Artikel eine kleine Einführung in das Lehren der Bogenschießtechnik für Übungsleitern geben. Er soll sie soweit bringen, dass sie Anfängern die Schießtechnik erklären können und sie zu richtigen Bogenschützen machen. Denn nur eine saubere Schießtechnik nach dem Technikleitbild ist die Garantie für bessere Treffer und mehr Spaß am Bogenschießen.

Zuerst erkläre ich unser Sportgerät: blank
bos001 Unser Bogen besteht aus einem Griffstück (Holz, Kunststoff oder legiertes Leichtmetall), 2 Wurfarmen (Laminate aus Holz und Carbonfasern) und der Sehne (Kunstfasern). An dem Griffstück sind die Pfeilauflage (Kunststoff oder Metall) und das Visier (Zieleinrichtung) befestigt. (Bild 1)
Fortgeschrittene haben noch als Anbau ein Stabilisationssystem (1 langer Monostabilisator nach vorne und 2 kurze Seitenstabilisatoren an den Seiten). Verbunden sind diese über die Spinne. Die Stabilisation soll das Nachschwingen der Sehne nach dem Schuss verhindern.
 
 


bos002 Weiterhin benötigt ein Bogenschütze eine Fingerschlaufe (Schnur) zum Auffangen des Bogens. Zum Schutz dienen: Fingerschutz (Leder), Armschutz(Leder oder Kunststoff) und Streifschutz. Um seine Pfeile bei sich tragen zu können braucht man einen Köcher (Bild 2). Außerdem benötigt er Pfeile. Diese bestehen aus Aluminium oder Carbon und sind mit 3 Federn oder 3 Plastikfahnen befiedert und haben eine Metallspitze. Zum Befestigen an der Sehne befindet sich hinten die Nocke (Kunststoff).
 
 
 
Für das Erlernen des Bogenschießens hat sich die Teillernmethode als bestes Mittel ergeben. Hierbei wird der gesamte Schuss in einzelne Teile zerlegt und dem Anfänger werden diese, vom leichten zum Schwereren, dann Schritt für Schritt beigebracht.
Zur Einführung in die Sportart sollte ein Informationsgespräch stattfinden. Hierbei sollte das Material und die Ausrüstung sowie den Aufbau der Grundausbildung erklärt werden.


1. Schritt Heranführende Übungen:

  1. (zum Beobachten am besten vor einem Spiegel) Sie dienen dazu, dass der Schützling den Bewegungsablauf kennen lernt und sie werden ca. 10x wiederholt.

 
1.1 a Fußstellung (Bild 3)
  1. parallele Füße stehen schulterbreit auseinander
  2. gleichmäßige Belastung (parallel zur Schusslinie)
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1.1b Schwerpunktlage (Bild 4) Ausgang ist Übung 1.1a
  1. Körperhaltung ist aufrecht und gerade(kein Hohlkreuz)
  2. Arme hängen locker runter Schultern sind tief
  3. Körper leicht nach vorne neigen (Schwerpunkt Fußballen)
  4. stabilisieren und fühlen
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1.2 Haltung/Schulterposition (Bild 5)
  1. Parallelen Stand wieder einnehmen Übung 1.1b
  2. Schulter hängen nach unten u. bleiben fixiert
  3. die gestreckten Arme auf Schulterhöhe anheben und halten
  4. (Schultergürtelbereich bleibt offen und weit)
  5. fühlen
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1.3 Kopfhaltung und Anker Position der Zughand unter dem Kiefer (Bild 6)
  1. Ausgang Übung 1.2
  2. Kopf Richtung Bogenhand und in Schussrichtung gedreht
  3. Zugarm angewinkelt und obere Handkante unter dem Kiefer platziert (fester Anker)
  4. Zugarmellenbogen geht über der gedachten verlängerten Linie Pfeil Hand
  5. Bogenhand oberhalb der Schulterlinie
  6. fühlen
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1.4 Bogenarmhaltung (Bild 7)
  1. Ausgang Übung 1.1 vor einer Wand oder senkrechten Stange
  2. Schützling steht eine Armlänge von der Wand entfernt
  3. Hand an Wand oder Stange andrücken
  4. Schulterposition tief fixiert
  5. den Stützellenbogen so weit wie möglich nach außen drehen (Übung dient dazu, die Sehne nicht zu nahe an den Ellenbogen zu bringen)
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1.5 Zugarmhaltung (Bild 8) Ausgang Übung 1.3
  1. Zugarm liegt eng am Hals und Kiefer
  2. Zughand wird dann zum Hals gedreht und geankert
  3. Finger sind dabei vom 2.Fingerglied an angewinkelt
  4. Daumen und der kleine Finger liegen locker an der Handinnenseite an
  5. der Ellenbogen ist oberhalb der Linie Pfeil Hand
  6. Ellenbogen der Zughand auf gleicher Höhe langsam nach hinten drehen
  7. Zughand bleibt dabei eng am Hals
  8. bei dieser Übung auf die Beweglichkeit achten (keine Verkrampfung)
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1.6 Fingerplatzierung - Anker und Rückenspannung (Bild 9)
  1. Übung wird mit Gummiband durchgeführt
  2. Gummiband an Bogenhand so einlegen, dass der Schütze beim Lösen nicht verletzt wird
  3. Länge des Gummibandes so wählen, dass der Schütze sich ohne großen Kraftaufwand bewegen kann.
  4. das andere Ende des Gummibandes als Schlaufe so in die Zughand einlegen, das das 2. Fingerglied des Zeige-, Mittel- und Ringfingers einen tiefen Haken bilden.
  5. Daumen und kleiner Finger liegen entspannt in der Handinnenseite
  6. der Handrücken ist gerade und entspannt
  7. alle Übungen werden jetzt in der gleichen Reihenfolge mit dem Gummiband durchgeführt (Übungen 1.1 -1.5)
  8. Hinweis: mit dem Gummiband soll der Schütze ein Gefühl für die Muskulatur entwickeln und der Schwerpunkt soll darin liegen, dass der Schütze unter gleichmäßig steigenden Zug den Zugellenbogen kreisförmig nach hinten bewegt und der Bogenarm dabei stetig dem aufbauenden Druck entgegensteht und fixiert bleibt. Die Schulter darf sich nicht heben!
  9. nachdem der Anker erreicht und fixiert ist, werden die Zugfinger entspannt (Lösen) (Gummiband schnippst nach vorne)
  10. dabei bewegt sich der Zugellenbogen durch die freiwerdende Kraft der Rückenmuskulatur in gleicher Höhe nach hinten
  11. wichtig: Bogenarm, Kopf, Körper und Augen bewegen sich nicht!
  12. nach dem Lösen soll der Schütze noch 3s die Restspannung halten und fühlen (Nachhalten)
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2. Schritt Schießtechnik mit dem Bogen
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Nachdem der Schütze diese Übungen mit dem Gummiband perfekt erlernt hat, wird nun mit einem Bogen mit sehr leichten Zuggewicht (10-15lbs) begonnen. Es wird die gesamte Schutzausrüstung angelegt.
 
2.1 Übungen mit Bogen ohne Visier und Pfeil
  1. Entfernung 5m ohne Auflage an der Scheibe
  2. paralleler Stand wird eingenommen
  3. Anlegen der Fingerschlaufe um den Bogen
  4. Bogenhand wird in die Griffschale gelegt, so das die Verbindungsstelle Daumen und Zeigefinger genau in der Mitte platziert ist und sich hier der Druck ausbildet
  5. Finger liegen locker um die Griffschale und sind leicht geöffnet (Bild 10)
  6. Fingerplatzierung der Zughand: die 3 Finger werden mit dem tiefen Haken um die Sehne gelegt, dabei bleibt zwischen dem Zeigefinger und dem Ringfinger etwa 8mm Platz, da sich dort später der Pfeil befindet und dieser nicht eingeklemmt werden darf (Bild 11)
  7. Handrücken so wie oben erklärt
  8. nun soll der Schütze etwas Zug an der Sehne ausüben (10cm) (Vorspannung) und halten (Bild 12)
  9. jetzt kann er den Druckpunkt an der Griffschale besser fühlen
  10. Handrücken der Zughand bleibt gerade und locker und Finger bleiben an ihrem Platz
  11. Kopf in Richtung Scheibe drehen
  12. beide Arme soweit heben, bis der Bogen zwischen Schütze und Scheibe steht (Bild 13 )
  13. wichtig: Oberkörper bleibt gerade und Schultern bleiben unten Bogenarm bildet eine gerade Linie vom Handgelenk über Unterarm, Bogenarm bis zur Schulter
  14. der Schütze spannt nun den Bogen ,indem er mit der Bogenhand auf einen Punkt fixiert bleibt und unter gleichmäßigen Zug die Zughand eng zum Gesicht führt
  15. dabei darf der Kopf nicht bewegt werden
  16. Zugarm wird dabei in einer Linie nach hinten gezogen
  17. die Sehne darf keine Seitenbewegung machen und wird genau zur Gesichtsmitte gezogen
  18. der Zugarm wird soweit nach hinten gezogen, dass Zugarmellenbogen und Bogenhand fast eine Linie ergeben (Bild 14)
  19. fester Anker wird eingenommen (Zughand und Kinnknochen bilden festen Block)
  20. es ist am Besten wenn die Sehne Mitte Nase und Mitte Mund liegt (Bild 15)
  21. der Schütze hat jetzt den Vollauszug erreicht
  22. diese Position 3 – 5s halten und auf dem gleichen Weg wieder zurückgehen und entspannen
  23. wichtig: niemals die Sehne lösen, wenn kein Pfeil eingelegt ist (Zerstörung der Wurfarme)
  24. Übung solange wiederholen, bis der Schütze sie ohne Anleitung durchführen kann
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2.2 Übungen mit Pfeil und Bogen und ohne Visier
  1. Entfernung 5m ohne Auflage an der Scheibe
  2. jetzt werden Pfeile in den Köcher gesteckt (Pfeile sollten unbedingt
  3. 10 cm länger als die Armlänge sein)
  4. Pfeil auf die Sehne nocken und zwar so, dass eine Feder immer waagerecht zum Schützen zeigt (so wird ausgeschlossen, dass die anderen an den Bogen anschlagen)
  5. Ablauf wie schon erlernt: Paralleler Stand, Körperhaltung, Fingerplatzierung, Bogenhandplatzierung(Druckpunkt), Vorspannung, Vollauszug, Anker, Lösen, Nachhalten (Anker kann 3-5s gehalten werden) (Bild 16 und 17)
  6. beim Lösen wird der Zug erhöht und die Zughand bewegt sich langsam nach hinten
  7. dabei entspannen sich die Zugfinger (Beugemuskulatur entspannt und Rückenmuskulatur wird stärker angespannt) und die Sehne verlässt die Zugfinger
  8. gleichzeitig bewegt sich die Zughand eng am Hals nach hinten
  9. Kopf und Bogenhand bewegt sich nicht und der Bogen springt aus der Hand in die Fingerschlaufe
  10. Übung wird solange wiederholt, bis der Schütze reflexfrei und gleichförmig die Übung beherrscht
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2.3 Übungen mit Pfeil, Bogen und Visier
  1. Entfernung 5m mit Auflage an der Scheibe
  2. Funktion des Visiers erklären
  3. Bogen so hochhalten, das der Schütze das Visierkorn und den Sehnenschatten vor den Scheibe sehen kann, so soll es dann auch bei ihm im Vollauszug aussehen (Bild 18)
  4. Ablauf wie schon erlernt: Paralleler Stand, Körperhaltung, Fingerplatzierung, Bogenhandplatzierung(Druckpunkt),Vorspannung
  5. jetzt wird das Vorzielen eingebaut(Visier befindet sich jetzt schon in der Scheibenmitte und der Sehnenschatten (Strich) liegt eng am Visier)
  6. Sehnenschatten kann durch Veränderung der Kopflage korrigiert werden
  7. Vollauszug (Visier sollte seine Lage nicht verändern)
  8. Anker (Visier kann jetzt noch einmal fein korrigiert werden)
  9. Lösen und Nachhalten
  10. Bogen absetzen und entspannen
  11. auch diese Übung wird solange wiederholt, bis der Schütze reflexfrei und gleichförmig die Übung beherrscht
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Beherrscht der Schütze die Übung kann ein Bogen mit höherem Zuggewicht benutzt werden.
Der Schütze beherrscht nun den kompletten Schuss, wobei noch ein Klicker (akustisches Hilfsmittel zum Bestimmen des exakten Auszuges) in den Schuss eingebaut werden kann.
Für die Grundlagen des Bogenschießens würde das aber zu weit führen.

Genauere Informationen zum Bogenschießen finden sie im Web (z.B. www.schuetzenbund.de und www.bogensportinfo.de) oder sie besuchen einfach einen Bogensportverein in ihrer Nähe. Dort wird man ihnen bestimmt mit Rat und Tat zur Verfügung stehen.
Für Nachfragen stehe ich auch zur Verfügung.

(Copyright) Sandra Dehn

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